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Botschaften an die Nachwelt

Was Anne Frank und andere Jüdinnen in der Nazidiktatur ihrem Tage- oder Erinnerungsbuch anvertrauten

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Norbert Kluge

Welche Botschaften haben uns die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verfolgten Jüdinnen hinterlassen? Sie wurden entweder in Tagebüchern vor Ort oder später nach der Befreiung in Erinnerungsbüchern als Vermächtnis für die Nachwelt notiert. In den einzelnen Kapiteln steht nicht so sehr der Zusammenhang von Liebe, Körperlichkeit und sexuellem Begehren im Blickpunkt der Ausführungen. Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Darstellung die Gegenseite zwischenmenschlicher und liebender Zuwendung: den kollektiven Hass einer unmenschlich praktizierten Herrschaftsdoktrin an herausragenden Beispielen aufzuzeigen. Folgende Autorinnen wurden für ein erstes Resümee ausgewählt: die Deutsch-Niederländerin Anne Frank, die Französin Hélène Berr, die aus Böhmen stammende Eva Mändl Roubičková, die in Mähren geborene Ruth Elias, die in Bosnien-Herzegowina zur Welt gekommene Hanna Lévy-Hass und die Litauerin Mascha Rolnikaite.

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Einführung

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Anne Frank ist weltweit zu einer Symbolfigur für die Schoah geworden. Das belegen indirekt und quantitativ nicht nur die millionenfachen Verkaufszahlen, sondern auch die zigfachen Übersetzungen in andere Sprachen des Originaltextes ihres berühmten Tagebuches. Unvergessen bleibt auch ihr früher Tod als Jugend- liche im Konzentrationslager, den sie, wie viele Glaubensgenossinnen und – genossen, erleiden musste, nur weil sie Jüdin war. Das erlittene Unrecht erschien der Zwölfjährigen ihrer näheren Umgebung kaum mitteilbar, sodass sie sich entschloss, ihre intimen Gedanken, Fragen und Wünsche dem soeben geschenk- ten Tagebuch anzuvertrauen und hier mit einer virtuellen Freundin regelmäßig zu kommunizieren. Irgendwann entwickelte sich die Absicht, unbedingt auch die Öffentlichkeit über die erduldeten Nachteile im Versteck zu informieren. Etwa zur gleichen Zeit, Anfang der 1940er Jahre, wurde eine andere Jüdin, die Pariser Studentin Hélène Berr, von der deutschen Besatzungsmacht in ihren persönlichen Freiheitsrechten, was ihre Berufsausbildung betraf, massiv einge- schränkt – derart, dass sie ihren angestrebten Studienabschluss, die Promotion, an der Sorbonne aufgeben musste. Als ihr Verlobter sie verließ, um unter Gene- ral de Gaulle im Widerstand zu kämpfen, entstand der Wunsch, ein Tagebuch zu schreiben, um, außer für sich selbst Nutzen daraus zu ziehen, auch ihm authen- tisch später zu berichten, wie es ihr während seiner Abwesenheit ergangen war. Es gab noch ein drittes Motiv, das Tagebuch nach einer Pause weiterzuführen, die nachfolgenden Generationen über das, was das Nazi-Regime ihr angetan hatte, aus erster Hand ins...

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