Show Less

Botschaften an die Nachwelt

Was Anne Frank und andere Jüdinnen in der Nazidiktatur ihrem Tage- oder Erinnerungsbuch anvertrauten

Series:

Norbert Kluge

Welche Botschaften haben uns die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verfolgten Jüdinnen hinterlassen? Sie wurden entweder in Tagebüchern vor Ort oder später nach der Befreiung in Erinnerungsbüchern als Vermächtnis für die Nachwelt notiert. In den einzelnen Kapiteln steht nicht so sehr der Zusammenhang von Liebe, Körperlichkeit und sexuellem Begehren im Blickpunkt der Ausführungen. Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Darstellung die Gegenseite zwischenmenschlicher und liebender Zuwendung: den kollektiven Hass einer unmenschlich praktizierten Herrschaftsdoktrin an herausragenden Beispielen aufzuzeigen. Folgende Autorinnen wurden für ein erstes Resümee ausgewählt: die Deutsch-Niederländerin Anne Frank, die Französin Hélène Berr, die aus Böhmen stammende Eva Mändl Roubičková, die in Mähren geborene Ruth Elias, die in Bosnien-Herzegowina zur Welt gekommene Hanna Lévy-Hass und die Litauerin Mascha Rolnikaite.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Kindheit im Versteck

Extract

Annelies(e) Marie Frank, wie Anne Frank eigentlich hieß, wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter eines jüdischen Kaufmanns, Otto Heinrich Frank, in Frankfurt/Main geboren. Um den Schikanen der Nazis zu entgehen – dem Vater drohte die Deportation –, zog die Familie Frank im Februar 1934 in die Nieder- lande nach Amsterdam um, wo sich Otto Frank seit 1933 eine neue berufliche Existenz, Verkauf von Geliermitteln, Gewürzhandelsfirma, aufbaute. Anne und die drei Jahre ältere Schwester Margot integrierten sich rasch in die niederländische Gesellschaft, besuchten die ihrem Alter entsprechenden Erzie- hungsinstitutionen, Vorklasse, Montessorischule, Jüdisches Lyzeum, hatten Freundinnen und Spielkameraden und führten mit ihren Eltern in der neuen Wahlheimat ein normales Familienleben (s.h. Coster 2011). Das änderte sich schlagartig, als die deutsche Wehrmacht nach Beginn des Zweiten Weltkriegs (Mai 1940) die Niederlande besetzte und auch hier die Ju- denverfolgung einsetzte. Im Juli 1942 war es so weit. Die Familie Frank musste sich dem Zugriff der Gestapo entziehen – und begann ein verborgenes Leben mit noch vier anderen Glaubensgenossen (s. Zusammenfassende Angaben: Die acht Bewohner des Hinterhauses) in einem Hinterhaus an der Prinsengracht 263, dort, wo Otto Frank seine Firmen („Nederlandsche Opekta“, „Pectacon“) eingerichtet hatte. Die Franks haben in der Abgeschiedenheit notgedrungen wenige, aber zuverlässige Helfer und Wohltäter. Zu ihnen gehörte u. a. Miep Gies (s. Gies 1988), die Sekretärin O. Franks. Sie rettete auch später die Tagebuchnotizen von A. Frank nach dem Verlassen der elterlichen Wohnung 1944 (s. Zusammenfas- sende Angaben: Die fünf...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.