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Botschaften an die Nachwelt

Was Anne Frank und andere Jüdinnen in der Nazidiktatur ihrem Tage- oder Erinnerungsbuch anvertrauten

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Norbert Kluge

Welche Botschaften haben uns die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verfolgten Jüdinnen hinterlassen? Sie wurden entweder in Tagebüchern vor Ort oder später nach der Befreiung in Erinnerungsbüchern als Vermächtnis für die Nachwelt notiert. In den einzelnen Kapiteln steht nicht so sehr der Zusammenhang von Liebe, Körperlichkeit und sexuellem Begehren im Blickpunkt der Ausführungen. Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Darstellung die Gegenseite zwischenmenschlicher und liebender Zuwendung: den kollektiven Hass einer unmenschlich praktizierten Herrschaftsdoktrin an herausragenden Beispielen aufzuzeigen. Folgende Autorinnen wurden für ein erstes Resümee ausgewählt: die Deutsch-Niederländerin Anne Frank, die Französin Hélène Berr, die aus Böhmen stammende Eva Mändl Roubičková, die in Mähren geborene Ruth Elias, die in Bosnien-Herzegowina zur Welt gekommene Hanna Lévy-Hass und die Litauerin Mascha Rolnikaite.

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2. Hélène Berrs eingeschränktes Leben unter deutscher Besatzung in Paris (1942-1944)

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In den folgenden Kapiteln der genannten Autorinnen stehen wenigstens fünf thematische Schwerpunkte im Mittelpunkt der Darstellung: Am Anfang eines jeden Hauptkapitels werden jeweils zentrale Lebensdaten berichtet. Danach wird über das Dokument, das Tage- bzw. Erinnerungsbuch, im Einzelnen informiert. Anschließend wird auf einige ausgewählte Themenkomplexe eingegangen. Es folgt ein Hinweis auf die in den Texten vorgefundenen Messages. Abschließend sollen, wo es nahe liegt, Parallelen zu A. Franks Aussagen aufgezeigt werden. Lebensdaten „Und ich glaube immer noch an die Überlegenheit des Guten über das Böse“ (Berr 2009, S. 273). Hélène Berr wird im März 1921 als das zweitjüngste Kind von fünf Kindern des jüdischen Ehepaars Raimond (1888-1944) und Antoinette (1891-1944) in Paris geboren. Die Familie Berr war seit mehreren Generationen in Frankreich beheimatet. Sie galt als gut situiert und – was ihre religiösen Einstellungen be- trifft – liberal. Der Vater war ein nicht unbekannter Chemiker, Vizepräsident des französischen Chemiekonzerns Kuhlmann. 1942 wurde er wegen einer Lappalie, weil sein Judenstern an seiner Bekleidung nicht vorschriftsmäßig angenäht, son- dern nur locker − mit Druckknöpfen − angebracht war, verhaftet und für ein paar Monate eingesperrt. Die Besetzung Frankreichs, insbesondere der Hauptstadt, durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg sollte sich verhängnisvoll auf die Mitglieder der Familie Berr auswirken. So wurden Ende Mai 1942 Eltern und Kinder wie alle französischen Juden gezwungen, den gelben Stern auf der linken Seite in Brusthöhe zu tragen und dadurch vom Naziregime bewusst stigmatisiert....

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