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Botschaften an die Nachwelt

Was Anne Frank und andere Jüdinnen in der Nazidiktatur ihrem Tage- oder Erinnerungsbuch anvertrauten

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Norbert Kluge

Welche Botschaften haben uns die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verfolgten Jüdinnen hinterlassen? Sie wurden entweder in Tagebüchern vor Ort oder später nach der Befreiung in Erinnerungsbüchern als Vermächtnis für die Nachwelt notiert. In den einzelnen Kapiteln steht nicht so sehr der Zusammenhang von Liebe, Körperlichkeit und sexuellem Begehren im Blickpunkt der Ausführungen. Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Darstellung die Gegenseite zwischenmenschlicher und liebender Zuwendung: den kollektiven Hass einer unmenschlich praktizierten Herrschaftsdoktrin an herausragenden Beispielen aufzuzeigen. Folgende Autorinnen wurden für ein erstes Resümee ausgewählt: die Deutsch-Niederländerin Anne Frank, die Französin Hélène Berr, die aus Böhmen stammende Eva Mändl Roubičková, die in Mähren geborene Ruth Elias, die in Bosnien-Herzegowina zur Welt gekommene Hanna Lévy-Hass und die Litauerin Mascha Rolnikaite.

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3. Vier ausgewählte Konzentrationslager: Theresienstadt, Auschwitz, Bergen-Belsen, Stutthof

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Bevor die Frauen, die über ihre KZ-Aufenthalte in Tage- und Erinnerungsbü- chern berichtet haben, vorgestellt werden, erscheint es notwendig, die Institutio- nen zu beschreiben, in denen sie gefangen gehalten wurden und unsagbares Leid erdulden mussten: die Konzentrationslager. Die Konzentrationslager als rassen- und machtpolitisches Instrument Die Konzentrationslager nationalsozialistischer Prägung hatten Vorläufer, z. B. diejenigen im Burenkrieg (1899-1902), der zwischen den Briten und südafrikani- schen Staaten stattfand. Ebenso fanden sie Nachahmung in späteren Militärdikta- turen, z. B. in Griechenland (1967-1974) und Chile (1973-1989). Übernahme- strukturen lassen sich auch im Balkankrieg (1992-1995) erkennen. Gleich, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, schufen sie am 28. Februar 1933 durch die sogenannte „Notverordnung“ die juristische Voraus- setzung für ihr willkürliches und zugleich unmenschliches Handeln, indem sie die gesetzliche Grundlage schufen (vgl. Wildt 2008, S. 76), das verfassungsmä- ßig garantierte Grundrecht wie beispielsweise das der Freiheit der Person außer Kraft setzten, um sich missliebiger Personen oder politischer Gegner, z. B. Kom- munisten, Sozialdemokraten, Juden, Sinti und Roma (Letztere im Jargon der Nazis: Zigeuner), Homosexuelle, zu entledigen. Dienten solche Massenlager anfangs noch unter Führung der SA als „Schutzhaftlager“, so wurden die Kon- zentrationslager in der Folgezeit unter der Leitung der SS, insbesondere von deren Chef, Reichsführer Heinrich Himmler, systematisch weiter entwickelt. Zu den ersten vom Nazi-Regime in Deutschland errichteten Konzentrationslagern zählten: Dachau (1933), Sachsenhausen (1936), Buchenwald (1937), Ravens- brück (1939). Weitere KZ entstanden während des Zweiten Weltkriegs, u. a. in Neuengamme (1940)...

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