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Bildung und soziale Differenzierung in der Gesellschaft

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Edited By Dieter Kirchhöfer and Christa Uhlig

Trotz des mittlerweile populären Wissens über die Wechselwirkung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen scheint eine grundlegende Reform des Bildungswesens in Deutschland nach wie vor schwierig. Parteipolitische Interessenkonflikte, halbherzige Reformideen, bildungsbürgerliches Besitzstandsdenken und tradierte Vorbehalte gegenüber international anerkannten Erfahrungen mit integrativen Bildungssystemen hemmen die Möglichkeit, Bildung zu einem wichtigen Faktor sozialer Integration und Chancengleichheit zu entwickeln und einer zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. In den Beiträgen des Bandes werden aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven Hintergründe und Problemlagen dieser Situation erörtert und Alternativen diskutiert. Dabei bildet Schule ein maßgebliches, aber keineswegs alleiniges Element der Bildungsorganisation einer Gesellschaft.

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Problemlagen der gegenwärtigen Schulentwicklung

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211 Franz Prüß Möglichkeiten und Grenzen von Ganztagsschulen 1. Thesen statt einer Einleitung Seit 2001 wird die verstärkte Diskussion um die Entwicklung der Ganztagsschu- le im Rahmen ganztägiger Bildung in der Bundesrepublik geführt (vgl. Ot- to/Coelen 2008). Verschiedenartige und vielfältige Maßnahmen sind eingeleitet und in den einzelnen Bundesländern in unterschiedlicher Intensität umgesetzt worden. Auf der Grundlage umfangreicher Begleitforschungen (vgl. Prüß/ Kortas/Richter/Schöpa 2007, S. 109 - 152) lassen sich schon heute wichtige Er- kenntnisse formulieren: - Die Ganztagsschule hat sich in der Bundesrepublik Deutschland etabliert. - Die Ganztagsschule hat keinen Schülern Nachteile gebracht. - Durch die Ganztagsschule werden viele, aber bei weitem nicht alle SchülerIn- nen erreicht. - Die Ganztagsschule erzeugt nicht automatisch durch mehr Zeitverfügbarkeit bessere Schulleistungen. - Die Ganztagsschule stellt ein Optionengefüge dar, das nur dann gewünschte Erfolge bringt, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind. - Die Ganztagsschulentwicklung lässt sich nur erfolgreich fortführen, wenn ei- ne Qualitätsdebatte geführt wird. 2. Anlass zur Förderung und Entwicklung von Ganztagsschulen Das schlechte Abschneiden der deutschen SchülerInnen bei der ersten internati- onalen Leistungsvergleichsstudie PISA 2000, in der über 22 Prozent der Schü- lerInnen hinsichtlich der Lesekompetenz zur Risikogruppe gehörten (vgl. Bau- mert et.al. 2001, S. 103), d.h. unter oder auf dem Niveau der Grundschule lagen, erregte auch die Fachwelt, aber erschütterte in besonderer Weise die Öffentlich- keit und zog damit dann umfangreiche Diskussionen nach sich bis in die Ge- genwart...

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