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Sprachwissenschaft für den Alltag

Ein Kompendium- 2., überarbeitete und erweiterte Auflage - Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht. Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser 2., überarbeiteten und erweiterten Auflage werden rund 160 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näher bringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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Sapir-Whorf-These Bei dieser, von den Sprachwissenschaftlern Edward Sapir und Benjamin Whorf um die Wende zum 20. Jahrhundert aufgestellten These über den Zu- sammenhang von Sprache, Wahrnehmung und Denken handelt es sich um die berühmteste und umstrittenste Theorie, die jemals in der Sprachgeschichte entwickelt wurde. Sie basiert auf der Grundannahme, dass die Sprache das allgemeine Denkvermögen des Menschen reflektiert und dass die Wirklich- keit je nach Unterschiedlichkeit der Sprache unterschiedlich wahrgenommen und gedeutet wird. So behaupteten Sapir und Whorf, die Eskimos verfügten über mehrere Dutzend Wörter für Schnee und diese spiegelten die Nuancen in der Wahrnehmung wider, mit der Eskimos verschiedene Schneeformen re- gistrieren. Aus der Behauptung ergab sich z. B. der weitreichende Schluss, dass die Anwender einer Sprache bestimmte Farben nicht unterscheiden kön- nen, wenn in ihrem Idiom die entsprechenden Wörter für diese Farben fehlen. Zugespitzt formuliert: Lücken im Sprachsystem spiegeln Lücken im Denken und zugleich Lücken in der Erfahrung und Deutung der Wirklichkeit. In neu- eren Untersuchungen wurde jedoch gezeigt, dass selbst Menschen aus Kultu- ren, in denen man zur Beschreibung von Farben nur zwei Wörter kennt — etwa: hell und dunkel — sich trotzdem eine breite Farbskala vorstellen kön- nen. Auch sind sie ebenso gut in der Lage, verschiedene Farbschattierungen zu behalten und zuzuordnen, wie Menschen, deren Sprache eine Vielzahl Wörter zur Beschreibung einer Farbe enthält. Dies deutet anthropologisch auf eine gewisse Unabhängigkeit von Sprache und Wahrnehmung wie auch von Sprache und Denken hin....

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