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Sprachwissenschaft für den Alltag

Ein Kompendium- 2., überarbeitete und erweiterte Auflage - Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht. Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser 2., überarbeiteten und erweiterten Auflage werden rund 160 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näher bringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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Varietäten Von lat. varietas = Vielfalt. Trotz aller für erfolgreiche Kommunikation un- verzichtbaren → Normen ist keine Sprache in sich homogen. Die oben unter → Dialekt, Idiolekt, Soziolekt, Jargon und Slang erläuterten Begriffe haben die Heterogenität der Sprache bereits von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchtet. Für das Ensemble dieser verschiedenen geografisch, ethnisch, his- torisch und soziologisch bedingten Abweichungen benutzen Sprachwissen- schaftler den Begriff Varietäten. Die größte Bandbreite an beschreibbaren Varietäten besitzt die englische Sprache, deren weltweites Wachstum eine Fülle „bunter Triebe“ hervorgebracht hat: irisches Englisch, schottisches Eng- lisch, australisches, neuseeländisches, amerikanisches und kanadisches Eng- lisch – alles nationalspezifische Abwandlungen und Erweiterungen einer Ur- sprungssprache. Hinzu kommen Black English, Pidgin English, kreolisches Englisch sowie die diversen, relativ neuen Mischformen → Denglisch, Frang- lais, Italianglo, Spanglish und Chinglish, in denen freilich die Ausgangsspra- chen noch dominant sind und es wohl auch bleiben werden. Der Varietäten- begriff wird im Wesentlichen deskriptiv und wertneutral benutzt, da die Wis- senschaft keine Möglichkeit sieht, qualitative Differenzierungen vorzuneh- men, ohne des Vorurteils oder der Ideologisierung bezichtigt zu werden. Al- lerdings ist zu beobachten, dass die dynamische Entwicklung von Varietäten Zentrifugalkräfte freisetzten kann, welche – im Fall Englisch – die zentrale Position der britischen Standardsprache schwächt. Es ist interessant und scheinbar paradox, dass einerseits die englische Sprache infolge der Globali- sierung immer größere Verbreitung findet, andererseits die Varietäten aber so auseinanderstreben, dass ihr Zentrum geschwächt wird. Manche Sprachwis- senschaftler sehen hier einen Präzedenzfall in der Geschichte der...

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