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Perspektiven der Sicherheitsforschung

Beiträge aus dem Forschungsforum Öffentliche Sicherheit

Edited By Lars Gerhold and Jochen Schiller

Öffentliche Sicherheit ist zu einer zentralen Aufgabe für Politik und Wissenschaft geworden. Die Herausforderungen des Forschungsfeldes betreffen dabei die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Fachgebiete und Disziplinen. Perspektiven der Sicherheitsforschung führt die Heterogenität und Komplexität des Themenfeldes «Sicherheit» anhand aktueller Forschungsbeiträge aus geistes- und sozialwissenschaftlichen sowie technik- und naturwissenschaftlichen Blickwinkeln in einem gemeinsamen Werk zusammen. Die Expertinnen und Experten aus dem Wissenschaftlichen Beirat des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit widmen sich dabei dem breiten Spektrum von Sicherheit im Sinne technischer Lösungen zum Schutz der Bevölkerung bis hin zur Frage des Umgangs mit Unsicherheit als Beschreibungsmerkmal unserer Gesellschaft.

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Geistes- und sozialwissenschaftliche Perspektiven der Sicherheitsforschung

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27 Sicherheit zwischen Dysplasie und Unentscheidbarkeit Wolf R. Dombrowsky Sicherheit gilt als hoher Wert; zugleich steht er in ideologischer Spannung zu anderen Werten, bevorzugt zu Freiheit.1 Wer sie aufgebe, um Sicherheit zu ge- winnen, soll Benjamin Franklin formuliert haben, der werde am Ende beides verlieren. Andere deuten die Abhängigkeiten umgekehrt: Freiheit durch Sicher- heit, was wiederum verstörend wirkt, wenn die Mittel zum Zweck und womög- lich außer Kontrolle geraten.2 Diese Gefahr besteht und sie mündet in ein Paradox. Der ideologische Kampf um die „richtige“ Sicherheit führt zur Kollision, im schlimmsten Fall zur Un- versöhnlichkeit zentraler gesellschaftlicher Werthaltungen und damit zu wech- selseitiger Verunsicherung. Der dorthin verlaufende Polarisierungsprozess wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, weil jedes Streben nach Sicherheit so- fort als eigene „Lücke“ interpretiert wird, die wiederum neuerliche Anstrengun- gen hervorruft, sie zu schließen. Am Ende stehen sich lauter „Hochsicherheits- trakte“ gegenüber, womöglich derart beunruhigend, dass das wechselseitige Schleifen der Bastionen als Lösung erscheint. Das Ringen um die „richtige“ Sicherheit und ihr sozial verträgliches Maß muss nicht zwangsläufig in Kampf oder Umsturz, in Bürgerkrieg oder Revolu- tion enden, sofern zu Beginn des Weges die Einsicht gewonnen werden kann, dass es so viele Sicherheiten gibt wie Köpfe, die darüber befinden, sich aber dennoch nicht sämtliche Sicherheiten realisieren lassen.3 Bleibt also die Frage, 1 Eine Google-Suche am 15.08.2011 erbrachte für die Anfrage „Sicherheit und Freiheit“ 10.400.000 Treffer; an vorderer Stelle das Grundsatzprogramm „Freiheit...

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