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Künstler mit Assistenzbedarf

Eine Interaktionsstudie

Frederik Poppe

Künstler mit Assistenzbedarf erreichen mittlerweile durch Ausstellungen und Publikationen einen gewissen Bekanntheitsgrad und sind auch auf dem Kunstmarkt präsent. Assistenten schaffen dabei die notwendigen Rahmenbedingungen für kreative Prozesse und leisten einen erheblichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Studie wurden Interaktionen zwischen bildenden Künstlern mit Assistenzbedarf und ihren unterstützenden Bezugspersonen untersucht. Mit Hilfe von videografischen Erhebungsinstrumenten und narrativen Interviews konnte im Stil der Grounded Theory ein umfassendes Bild der Aufgabenbandbreite und des komplexen Rollenverständnisses von Assistenten erstellt werden. Es werden konzeptuelle Ideen für eine Professionalisierung der Ausbildung von Assistenten und Künstlern entwickelt, um den in der Zusammenarbeit auftretenden Interessenskonflikten begegnen zu können.

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2. Art Brut und Outsider Art

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Im kunstwissenschaftlichen Kontext wird der im vorigen Kapitel genannte Werner Voigt mit „Art Brut“ oder „Outsider Art“ in Verbindung gebracht (vgl. David 2002, 54-65). Wie viele andere so genannte Außenseiter-Künst- ler gelangte er auf Umwegen zur künstlerischen Produktion, nachdem er lange Zeit im Textilgewerbe der Alsterdorfer Anstalten tätig war (vgl. Spengler 2010). Die Rahmenbedingungen für Autodidakten wie Voigt wa- ren nicht immer günstig. Besonders der Unterstützungsbedarf von Künstlern mit kognitiven Behinderungen wurde lange nicht gedeckt, was sich in den letzten Jahrzehnten änderte. Dieses Kapitel soll zunächst zur historischen Herleitung und Klärung der Begriffe „Art Brut“ und „Outsider Art“ beitra- gen und im Anschluss den Personenkreis von Künstlern mit Assistenzbedarf definieren. 2.1. Historische Betrachtung Über bildende Künstler, die heute der Art Brut oder Outsider Art zugerechnet würden und vor Beginn des 20. Jahrhunderts lebten, wurde wenig publi- ziert. Mürner beschreibt eine der wenigen Ausnahmen, den Berner Maler und Kupferstecher Gottfried Mind (1768-1814). Dieser kam als Achtjähri- ger auf den von Pestalozzi geleiteten Neuhof bei Birr. Bereits als Kind und Jugendlicher galt er als talentierter Zeichner und konnte seine technischen Fähigkeiten verbessern. Der Schriftspracherwerb blieb ihm dagegen trotz intensiver Bemühungen seitens der Lehrenden verwehrt. Als Helfer von Sig- mund Freudenberger (1745-1801)5 bearbeitete Mind die Werke des Genre- malers nach. Sowohl Freudenberger als auch später dessen Witwe beuteten Minds Talent regelrecht aus. Kunstfreunde versuchten Mind aus dieser Si- tuation zu befreien, was aufgrund mangelnden...

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