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Künstler mit Assistenzbedarf

Eine Interaktionsstudie

Frederik Poppe

Künstler mit Assistenzbedarf erreichen mittlerweile durch Ausstellungen und Publikationen einen gewissen Bekanntheitsgrad und sind auch auf dem Kunstmarkt präsent. Assistenten schaffen dabei die notwendigen Rahmenbedingungen für kreative Prozesse und leisten einen erheblichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Studie wurden Interaktionen zwischen bildenden Künstlern mit Assistenzbedarf und ihren unterstützenden Bezugspersonen untersucht. Mit Hilfe von videografischen Erhebungsinstrumenten und narrativen Interviews konnte im Stil der Grounded Theory ein umfassendes Bild der Aufgabenbandbreite und des komplexen Rollenverständnisses von Assistenten erstellt werden. Es werden konzeptuelle Ideen für eine Professionalisierung der Ausbildung von Assistenten und Künstlern entwickelt, um den in der Zusammenarbeit auftretenden Interessenskonflikten begegnen zu können.

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4. Kunstmarkt Art Brut und Outsider Art

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Ob die Teilnahme an Ausstellungen und die Publikation künstlerischer Wer- ke ein Anspruch von Künstlern mit Assistenzbedarf ist, hängt stark von ih- ren individuellen Vorlieben ab: Buxbaum schreibt über eine Begegnung mit der Künstlerin Ida Buchmann in der psychiatrischen Klinik Königsfelden: als ich ihr „das erste Mal sagte, es werde eine Ausstellung in einer Galerie geben, fragte sie, was das sei, eine Galerie“ (Buxbaum 1989, 117). Keiner der Künstler, die in der psychiatrischen Klinik Königsfelden wohnen und arbeiten, hätten je eine Ausstellung anderer Künstler besucht (vgl. Buxbaum 1989, 116-117). Die meisten Artbrutisten hätten laut Thévoz keinerlei Ambi- tionen, ihre Werke der Öffentlichkeit zugängig zu machen, schon gar nicht auf dem Wege der auf dem Kunstmarkt üblichen Vermarktung und Kunden- werbung (vgl. Thévoz 1980, 71; Thévoz 1990, 6). Kurz nach den ersten Versuchen Dubuffets – im Jahre 1945 – Art Brut Ausstellungen zu organisieren, begannen Sammler sich für die künstleri- schen Arbeiten zu interessieren. Einige Künstler (z.B. Wölfli, Soutter, Walla, Buchmann) stellten gemeinsam mit Künstlern ohne Psychiatrieerfahrung und ohne kognitive Behinderungen aus. In der Kunstwissenschaft des 20. Jahrhunderts nehmen Künstler und Ausstellungen einen bestimmten Rang ein, ihre Werke werden zunehmend professionell dokumentiert (vgl. Bux- baum 1989, 116; Richter 1997, 353-354). Trotz der Bemühungen Dubuffets, Art Brut mit einer gewissen Exklusivität zu verbinden und trotz einer eher ablehnenden Haltung gegenüber der Vermarktungsprozesse künstlerischer Werke, verschloss er sich nie gänzlich...

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