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Die Bedeutung von Trennung und Scheidung für die Bindung des Kindes

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Manuela Diers

Wie wirkt sich die Trennung der Eltern auf die Bindung des Kindes aus? In diesem Buch werden die Grundlagen der Bindungstheorie, Familien- und Scheidungsforschung erläutert und zur Beantwortung dieser zentralen Fragestellung herangezogen. Eine Analyse des Forschungsstands ergibt interessante Resultate. Vor allem Veränderungen im Fürsorgeverhalten der Eltern bewirken Veränderungen in der Bindungsorganisation des Kindes. Die Trennung wirkt sich zudem meist destabilisierend auf das Arbeitsmodell von Bindung aus. Das ist im Einzelfall abhängig vom Alter bzw. Entwicklungsstand des Kindes, von den sozioökonomischen Bedingungen, den Konflikteigenschaften und der psychischen Beeinträchtigung der Mutter bzw. des Vaters.

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4 Trennung und Scheidung

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„Jede Scheidung ist eine einmalige Tragödie, weil jede Scheidung das Ende einer einzigartigen Lebenskultur bedeutet, die aus Tausenden von geteilten Erfahrungen, Erinnerungen, Hoffnungen und Träumen besteht.“ (Hetherington, Kelly 2003, S. 12) Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aktuelle Scheidungsforschung und den Stand der Datenlage betreffend einer Trennung bzw. Scheidung von Eltern. Es muss dar- auf hingewiesen werden, dass auch Eltern, die nicht verheiratet waren, einen schweren Trennungsprozess durchlaufen können und dass auch in einer solchen Familie sehr ähnliche Prozesse ablaufen wie in einer Familie, die durch eine Heirat verbunden war. Unabhängig vom Trauschein muss sich die Familie reorganisieren. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beschreibt zum Stand der Scheidungs- und Trennungsforschung ein sehr uneinheitliches Bild. Das BMFSFJ gibt zu bedenken, dass sich nicht nur negative Folgen einer Trennung der Eltern, sondern ebenso positive Auswirkungen „nach einer allenfalls kurzfristigen Beeinträchtigung“ ver- zeichnen lassen (2006, S. 118). Daher ist es notwendig, nicht nur die Ergebnisse zu be- trachten, sondern vor allem auch den Kontext, in dem die Studien eingebettet sind und die Untersuchungsmethodik in den Blick zu nehmen. Hetherington und Kelly merken Folgendes an: „Das Scheitern einer Ehe lässt sich nicht als isoliertes Ereignis verstehen; es ist Teil einer Reihe von miteinander verwobenen Durch- und Übergängen auf dem Weg der Lebenserfahrungen, die zur Scheidung führen und aus ihr entspringen“ (2003, S. 14). Die beiden Autorinnen geben zu bedenken, dass ein Groß- teil der Scheidungsforschung zu Unrecht ein sehr negatives...

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