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Die Pashtunen und ihre Bedeutung für regionale und internationale Konflikte

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Robert Haag

Mit diesem Buch legt der Autor die erste umfassende Untersuchung über Geschichte und aktuelle Formationen der Pashtunen beiderseits der Durand-Line vor. Die Arbeit zeigt auf, wie sich weite Teile der segmentären pashtunischen Gesellschaften im Verlauf einer mehrhundertjährigen wechselhaften Geschichte in ihrem Siedlungsgebiet, die modernen Staatsgrenzen Afghanistans und des heutigen Pakistans übergreifend, gegen kolonisierende Durchdringung und Unterwerfung unter staatliche Herrschaft behaupten konnten. Ein wesentliches Erklärungsmoment der Untersuchung ist die flexible, vielfach verschachtelte Beziehungsstruktur innerhalb segmentärer pashtunischer Gesellschaften und das damit verbundene Phänomen der komplementären Opposition. Die regionalspezifischen ethnologischen und sozialstrukturellen Besonderheiten werden durch die Berücksichtigung geographischer, geostrategischer und sozialräumlicher Eigenschaften unterlegt. Dadurch wird die spezielle Position des pashtunischen Siedlungsgebiets (im Besonderen die des pashtunischen Kerngebietes) erklärt, die es den Stämmen ermöglicht, sich einer einseitigen staatlichen Durchdringung zu entziehen und ihnen gleichzeitig Chancen der Einkommensgenerierung bietet. Auch die Perspektiven des aktuellen Konflikts in Afghanistan und Pakistan können auf Basis der Untersuchung besser eingeschätzt werden.

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Prolog

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Im Jahr 2000 lernte ich während eines dreimonatigen Aufenthalts in Pakistan einen gebildeten jungen Mann, einen Pashtunen vom Stamme der Afridi, kennen. Er war weltoffen, interessiert und ausgebildeter Elektroingenieur. Er arbeitete jedoch als Fahrer für eine Mitarbeiterin einer deutschen Entwicklungshilfe-Organisation, wo er mehr verdiente als wenn er Ingenieur in einem pakistanischen Betrieb gewesen wäre. Er war stolz darauf, einige in seinem Dorf und der näheren Umgebung abgehaltene Schießwettbewerbe gewonnen zu haben und er wusste mir sehr genau die Preise verschiedener Waffen zu nennen, die man in der Gegend kaufen konnte, von deu- tschen Handfeuerwaffen über ‚Kalaschnikows’ aus chinesischer, russischer und pakis- tanischer Herstellung bis hin zu panzerbrechenden Waffen. Ebenso kannte er die Kilo- Preise von Haschisch und Opium, die man bei den lokalen Händlern zu zahlen hatte. Er wohnte in den autonomen Stammesgebieten Pakistans in einem Dorf in der Nähe von Landi Kotal, nahe an der Grenze zu Afghanistan. Afghanistan war im Jahre 2000 bis auf den äußersten Nordosten des Landes, der von Ahmad Shah Massud und seinen Verbündeten der Nordallianz gehalten wurde, unter Kontrolle der Taliban. Nach ihrem Auftauchen im Herbst 1994 hatten diese ‚Koran- schüler’ in den folgenden Jahren von Kandahar ausgehend ihren ‚Herrschaftsbereich’ nach Nordosten in Richtung Kabul und nach Norden in Richtung Herat ausgeweitet. Auch im Osten Afghanistans – in Teilen der in dieser Arbeit als pashtunisches Kerngebiet bezeichneten Region – fanden sie bei den dortigen Stämmen trotz einer gewissen Skepsis partielle Unterstützung.1 Mein Bekannter wohnte...

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