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Die Pashtunen und ihre Bedeutung für regionale und internationale Konflikte

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Robert Haag

Mit diesem Buch legt der Autor die erste umfassende Untersuchung über Geschichte und aktuelle Formationen der Pashtunen beiderseits der Durand-Line vor. Die Arbeit zeigt auf, wie sich weite Teile der segmentären pashtunischen Gesellschaften im Verlauf einer mehrhundertjährigen wechselhaften Geschichte in ihrem Siedlungsgebiet, die modernen Staatsgrenzen Afghanistans und des heutigen Pakistans übergreifend, gegen kolonisierende Durchdringung und Unterwerfung unter staatliche Herrschaft behaupten konnten. Ein wesentliches Erklärungsmoment der Untersuchung ist die flexible, vielfach verschachtelte Beziehungsstruktur innerhalb segmentärer pashtunischer Gesellschaften und das damit verbundene Phänomen der komplementären Opposition. Die regionalspezifischen ethnologischen und sozialstrukturellen Besonderheiten werden durch die Berücksichtigung geographischer, geostrategischer und sozialräumlicher Eigenschaften unterlegt. Dadurch wird die spezielle Position des pashtunischen Siedlungsgebiets (im Besonderen die des pashtunischen Kerngebietes) erklärt, die es den Stämmen ermöglicht, sich einer einseitigen staatlichen Durchdringung zu entziehen und ihnen gleichzeitig Chancen der Einkommensgenerierung bietet. Auch die Perspektiven des aktuellen Konflikts in Afghanistan und Pakistan können auf Basis der Untersuchung besser eingeschätzt werden.

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3. Ethnographischer Teil

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„Paschtunen sind eigentlich ganz umgängliche Leute, sofern man Ihnen mit Respekt, mit Takt und gebotener Vorsicht begegnet. Allergisch aber reagieren sie auf alles, was sich ihrem Unabhängigkeitsdrang in Form von zentraler Herrschaft und staatlichem Machtanspruch entgegenstellt.“ (ADAM 1989: 18) Dieses Zitat ist ein Versuch Werner ADAMs, eine charakterisierende Beschreibung der Pashtunen von ELPHINSTONE88 zu verallgemeinern, so dass sie noch heute Gültigkeit besitzt. Des Weiteren erklärt ADAM, dass der „Selbstbehauptungswillen“ der „martialischen Stämme“ im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet nicht mit „Kriegslüsternheit“ zu verwechseln ist (ebd.). Seine Aussagen deuten einige der für diese Arbeit relevanten sozialen Tatsachen an, fordern aber zugleich weitere Erklä- rungen der von ihm verwendeten ‚Vulgärbegriffe’. Neben grundlegenden demogra- phischen Angaben ist zu klären, woher der starke Selbstbehauptungswille dieser martialischen Stämme rührt und was das ‚martialische’ an ihnen ausmacht; was man beim Kontakt mit ‚ihnen’ unter Respekt, Takt und gebotener Vorsicht zu verstehen hat; und schließlich, was ‚ihr’ Unabhängigkeitsdrang bedeutet, worin er begründet liegt und in welcher Art und welchem Rahmen dieser sich zentraler Herrschaft89 und staatlichem Machtanspruch entgegenstellt. Um diese Aspekte zu verdeutlichen, werden im Folgenden einige grundlegende Angaben zu den Pashtunen, ihrem Siedlungsgebiet, ihrer sozialen und politischen Organisation sowie zu ihrem Werte- und Normen-System gemacht. Es wird gezeigt, wie sich die soziale Organisation, das politische Selbstverständnis, das Werte- und Normen-System verbinden, wie sie sich gegenseitig bedingen und ergänzen. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche Bedeutung die segmentäre Struktur der pashtu- nischen Stammesgesellschaften...

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