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Die Pashtunen und ihre Bedeutung für regionale und internationale Konflikte

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Robert Haag

Mit diesem Buch legt der Autor die erste umfassende Untersuchung über Geschichte und aktuelle Formationen der Pashtunen beiderseits der Durand-Line vor. Die Arbeit zeigt auf, wie sich weite Teile der segmentären pashtunischen Gesellschaften im Verlauf einer mehrhundertjährigen wechselhaften Geschichte in ihrem Siedlungsgebiet, die modernen Staatsgrenzen Afghanistans und des heutigen Pakistans übergreifend, gegen kolonisierende Durchdringung und Unterwerfung unter staatliche Herrschaft behaupten konnten. Ein wesentliches Erklärungsmoment der Untersuchung ist die flexible, vielfach verschachtelte Beziehungsstruktur innerhalb segmentärer pashtunischer Gesellschaften und das damit verbundene Phänomen der komplementären Opposition. Die regionalspezifischen ethnologischen und sozialstrukturellen Besonderheiten werden durch die Berücksichtigung geographischer, geostrategischer und sozialräumlicher Eigenschaften unterlegt. Dadurch wird die spezielle Position des pashtunischen Siedlungsgebiets (im Besonderen die des pashtunischen Kerngebietes) erklärt, die es den Stämmen ermöglicht, sich einer einseitigen staatlichen Durchdringung zu entziehen und ihnen gleichzeitig Chancen der Einkommensgenerierung bietet. Auch die Perspektiven des aktuellen Konflikts in Afghanistan und Pakistan können auf Basis der Untersuchung besser eingeschätzt werden.

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5. Die aktuelle Situation

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Wie aus den bisherigen Ausführungen ersichtlich wurde, definiert sich die Staatlich- keit Afghanistans seit jeher vor allem über ihre Fragmentierung und die krassen Ge- gensätze zwischen den ländlichen Regionen und den urbanen Zentren, besonders Ka- bul.394 Diese Opposition liegt unter anderem darin begründet, dass gerade die Regie- rung in der Hauptstadt immer wieder versuchte, die Politik für die ländlichen Regio- nen zu bestimmen und somit häufig in Konflikte mit der dortigen Bevölkerung ver- wickelt wurde. Effektiv war die Hauptstadt aber mindestens ebenso von den poli- tischen Stimmungen auf dem Land abhängig, wenn man bedenkt, dass viele Herrscher ihren Machtanspruch nur mit Hilfe der Stämme durchsetzen konnten, andere Herrscher oder Regierungen hingegen durch die Stämme gestürzt wurden. Die Fragmentierung Afghanistans verläuft entlang verschiedener Linien, seien es lokale Zusammenschlüsse (z.B. Talschaften) seien es Einflussgebiete mächtiger Khane oder angesehener religiöser Führer, sei es entlang religiöser oder ethnischer Differen- zierungslinien, oder auch durch die in vielfacher Art und Weise verschachtelten Soli- daritätsansprüche, wie sie u.a. in den pashtunischen Stammesgebieten entlang der Du- rand-Line bestehen. Wie bisher deutlich geworden ist, sind alle diese Aspekte in der Region schon lange wirksam und bilden die Grundlage dafür, dass man von Afgha- nistan als von einem kulturellen Ensemble sprechen kann, das, wenn überhaupt, nur sehr bedingt die von einem modernen Staat geforderten Funktionen erfüllt. Die Situation in Pakistan ist unter etwas anderen Vorzeichen zu betrachten: Lange...

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