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Die Pashtunen und ihre Bedeutung für regionale und internationale Konflikte

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Robert Haag

Mit diesem Buch legt der Autor die erste umfassende Untersuchung über Geschichte und aktuelle Formationen der Pashtunen beiderseits der Durand-Line vor. Die Arbeit zeigt auf, wie sich weite Teile der segmentären pashtunischen Gesellschaften im Verlauf einer mehrhundertjährigen wechselhaften Geschichte in ihrem Siedlungsgebiet, die modernen Staatsgrenzen Afghanistans und des heutigen Pakistans übergreifend, gegen kolonisierende Durchdringung und Unterwerfung unter staatliche Herrschaft behaupten konnten. Ein wesentliches Erklärungsmoment der Untersuchung ist die flexible, vielfach verschachtelte Beziehungsstruktur innerhalb segmentärer pashtunischer Gesellschaften und das damit verbundene Phänomen der komplementären Opposition. Die regionalspezifischen ethnologischen und sozialstrukturellen Besonderheiten werden durch die Berücksichtigung geographischer, geostrategischer und sozialräumlicher Eigenschaften unterlegt. Dadurch wird die spezielle Position des pashtunischen Siedlungsgebiets (im Besonderen die des pashtunischen Kerngebietes) erklärt, die es den Stämmen ermöglicht, sich einer einseitigen staatlichen Durchdringung zu entziehen und ihnen gleichzeitig Chancen der Einkommensgenerierung bietet. Auch die Perspektiven des aktuellen Konflikts in Afghanistan und Pakistan können auf Basis der Untersuchung besser eingeschätzt werden.

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Epilog

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Bei meinem Anflug auf Peshawar im April des Jahres 2000 sah ich aus geringer Höhe den Rauch vieler Ziegeleischornsteine, in denen die traditionellen Ziegel gebrannt werden, mit denen seit Jahrhunderten die meisten Häuser in der Region gebaut werden. Nach dem letzten immer noch anhaltenden und auch auf Pakistan über- greifenden Krieg, werden viele neue Ziegel gebraucht, um die zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Auch viel Brennmaterial, um die Ziegel zu brennen. Allein das wirft neue Probleme ökologischer Nachhaltigkeit auf. Ob diese Probleme durch neue Aufforstungsprojekte gelöst werden, oder dadurch, dass anstelle der traditionellen Lehmhäuser Betonhäuser gebaut werden, bleibt abzuwarten. Ein Blick auf die Geschichte stimmt allerdings nicht optimistisch. Aber nicht nur die ökologische Nach- haltigkeit ist ein bedeutsamer Punkt beim Wiederaufbau der Region. Die Eile, mit der internationale Organisationen, häufig beauftragt von den Regierungen der am kriege- rischen Konflikt beteiligten Staaten, in der Region vorzeigbare Aufbauergebnisse präsentieren wollen, steht in keinem Verhältnis zur Verantwortung, die Europa und Amerika in diesem Hinterhof des kalten Krieges oder auf dem Spielfeld des großen Spieles zu übernehmen haben. Die sozialen Schäden die nach dreißig Jahren Krieg in der Region erkennbar sind, sind viel schwerer wieder zu heilen, als die durch neu gebaute Häuser symbolisierten Friedenszeiten zu erreichen sind. Dass die Bevölkerung vor Ort nur bedingt Hoffnung auf die nachhaltige Ernsthaftigkeit europäischer und amerikanischer Aufbaubemühungen setzt, beruht auf den Erfahrungen vieler Jahre und vieler Leben. Ein alter Afghane antwortete...

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