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Walther von der Vogelweide – Überlieferung, Deutung, Forschungsgeschichte

Mit einer Ergänzungsbibliographie 2005-2009 von Manfred G. Scholz

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Edited By Thomas Bein

Die Walther-Studien 7 bieten, wie auch die Vorgängerbände, ein breites thematisches Spektrum. Der Textkritik sind zwei Beiträge gewidmet: Neben einer hochschuldidaktischen Editions-Demonstration stellt die Edition und textkritische Bewertung des ‘Brünner Waltherfragments’ ein besonderes Highlight dar. Fünf Einzelstudien zu Liedern und Textstellen zeigen, dass auch für erschlossen gehaltene Texte Walthers immer wieder neue Fragen provozieren. Sehr zu begrüßen ist ein Vergleich Walthers mit mittelalterlicher arabischer Lyrik – ein vielversprechender Beitrag zu einer noch wenig ausgebauten interkulturellen Germanistik. Die Aufarbeitung einer dramatischen Walther-Rezeption zeigt erneut das lebendige Weiterleben des Dichters. Drei Forschungsberichte, darunter einer von fast monographischem Ausmaß zu Walthers erster ‘Reichston’-Strophe, dürften einen guten Beitrag dazu leisten, sich nicht in der reichen zweihundertjährigen Forschungsgeschichte zu verlieren. Neben zwei Ankündigungen ist schließlich eine umfassende Nachtragsbibliographie zu Walther von besonderem Wert: sie erfasst die Jahre 2005 bis 2009.

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Simone Loleit: Alter als Argument? Neue Perspektiven auf das Lied "Minne diu hât einen site" (L 57,23ff.) von Walther von der Vogelweide

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Alter als Argument? Neue Perspektiven auf das LiedMinne diu hât einen site (L 57,23ff.) von Walther von der Vogelweide von Simone Loleit, Essen Meister Alberto von Bologna, der sich mit 70 Jahren in die Witwe Madonna Marg- herita de’ Ghisolieri verliebt, zieht, als sie dessen gewahr wird, ihren Spott auf sich. Gemeinsam mit ihren Freundinnen belustigt sie sich darüber, dass ein an Jahren und Erfahrungen so reicher Mann verliebt sei, als ob nach ihrer Meinung die holde Leidenschaft der Liebe allein in den törichten Herzen der Jüng- linge und sonst nirgendwo Raum finden und dort verweilen könne. 1 In einer geistreichen Antwort belehrt Meister Alberto sie darüber, dass alte Männer zwar an körperlicher Kraft eingebüßt hätten, dafür aber umso besser darüber urtei- len könnten, welche Person der Liebe würdig sei. Die Hoffnung auf Erfüllung sei- ner Liebe begründet er durch ein Exempel: Wie die meisten Damen beim Lauch die abscheulich schmeckenden Blätter dem wohlschmeckenderen Kopf vorziehen wür- den, so sei es doch eventuell auch möglich, dass die Madonna Margherita bei der Wahl ihrer Liebhaber ebenso verfahren möge. Der Streit der Generationen um das Terrain der Liebe wird in dieser Novelle aus Boccaccios Decamerone zur Demonstration rhetorischer Kunstfertigkeit genutzt. In wohlgesetzten Worten führt der alte Liebhaber seine überlegene Urteilsfähigkeit gegen die körperliche Vitalität der jungen Männer ins Feld und hofft bei seiner An- gebeteten zugleich...

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