Show Less

Zentralasien und die Weltmächte, oder: «Game Boys» auf Reisen

Series:

August Pradetto

In dieser Studie werden die politischen, militärischen und ökonomischen Beziehungen zwischen Zentralasien und den Großmächten untersucht. Ausgangspunkt ist die mittlerweile zum Mainstream avancierte neorealistisch-geopolitische These, dass das Engagement der USA, Russlands, Chinas und der Europäischen Union vorrangig von machtpolitischer Konkurrenz und strategischen Interessen geleitet und ein neues Great Game um diese Region im Gange sei. Die empirischen Befunde widerlegen sowohl diese These als auch die Perzeption eines um sich greifenden Staatsverfalls in Zentralasien.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

3. China und Zentralasien 45

Extract

3. China und Zentralasien Auch für China hatten sich die Beziehungen zu Zentralasien erst mit der Auflö- sung der Sowjetunion fundamental verändert. Seit der Qing-Dynastie war Zent- ralasien ein Faktor der Auseinandersetzung zwischen dem Chinesischen und dem Russischen Reich gewesen. Die Expansionsbestrebungen beider Seiten be- zogen sich auf Xinjiang, das nach langen Auseinandersetzungen im Jahre 1757 in das Qing-Reich eingegliedert, aber nie vollständig gegen die ansässigen isla- mischen Uiguren bzw. Khane befriedet werden konnte. 1864 entstand sogar ein unabhängiges islamisches Emirat im Tarimbecken auf dem Gebiet des heutigen Xinjiang, das 1877 wieder zerschlagen wurde. Etwa zur selben Zeit löste der russische Zar mit militärischer Gewalt auch das Khanat Kokand im Ferghanatal auf, das wie das Ili-Gebiet im Nordwesten des heutigen Xinjiang Russisch- Turkestan zugeschlagen wurde. Im Zuge der Schwächung des Zarenreiches und daraus folgender außenpolitischer Konzessionen und Abkommen wurde Xinji- ang 1884 offiziell wieder Bestandteil Chinas. Definitiv war der Moskauer Ein- fluss auf das Gebiet erst mit der Gründung der VR China im Jahre 1949 beendet. Seit dem Bruch Maos mit Chruschtschow Anfang der 1960er Jahre waren die zentralasiatischen Republiken der Sowjetunion für China vor allem unter ab- grenzenden sicherheitspolitisch-militärischen Aspekten von Relevanz. Nach der Unabhängigwerdung der zentralasiatischen Länder versuchte Chi- na neben bilateralen Beziehungen ebenfalls in bemerkenswerter Weise multila- terale Mechanismen zu nutzen, um die Kooperation mit den zentralasiatischen Ländern zu gestalten und die eigenen Interessen einzubringen. Diesen Bemü- hungen sollte aus...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.