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Zentralasien und die Weltmächte, oder: «Game Boys» auf Reisen

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August Pradetto

In dieser Studie werden die politischen, militärischen und ökonomischen Beziehungen zwischen Zentralasien und den Großmächten untersucht. Ausgangspunkt ist die mittlerweile zum Mainstream avancierte neorealistisch-geopolitische These, dass das Engagement der USA, Russlands, Chinas und der Europäischen Union vorrangig von machtpolitischer Konkurrenz und strategischen Interessen geleitet und ein neues Great Game um diese Region im Gange sei. Die empirischen Befunde widerlegen sowohl diese These als auch die Perzeption eines um sich greifenden Staatsverfalls in Zentralasien.

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6. Aspekte der Entwicklung politischer und sozialer Systeme postsowjetischer zentralasiatischer Länder 101

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6. Aspekte der Entwicklung politischer und sozialer Systeme postsowjetischer zentralasiatischer Länder Ausgangspunkt der nachfolgenden Ausführungen ist die bereits früh in dieser Studie aufgeworfene Frage, inwiefern die postsowjetischen endogenen Entwick- lungen maßgeblich für das Außenverhalten der politischen Eliten der zentralasi- atischen Länder sind. Dass die politische Rückentwicklung in sultanistische Herrschaftsverhältnisse (Max Weber) und entsprechende soziale Strukturen Auswirkungen auf die Außenpolitiken sowie die regionalen und die internatio- nalen Beziehungen haben, ist evident. Deutlich macht die Unterschiedlichkeit in den Außenpolitiken der respektiven Eliten aber auch, dass nicht allein von der These struktureller Interdependenz zwischen Sultanismus und geringem Grad außenpolitischer Kooperation und Integration auszugehen ist. Wie etwa am ka- sachischen Beispiel offenkundig wird, hängt gerade unter den gegebenen politi- schen Voraussetzungen die Entwicklung der Außenpolitik in einem vergleichs- weise hohen Maße von den Ideen, Vorstellungen und Visionen ab, die jeweils eine kleine Zahl politisch und ökonomisch mächtiger Führungspersönlichkeiten – und hier an erster Stelle die Präsidenten selbst – formuliert. Eine empirisch exakte Bestimmung des Verhältnisses von Agent und Struk- tur in Bezug auf die Festlegung der Außenpolitiken der zentralasiatischen Län- der ist genauso wenig möglich wie anderswo auch. Generell gilt aber zweierlei: Erstens geben die spezifischen politischen Systeme, die sich in Zentralasien nach dem Ende der Sowjetunion herausgebildet haben, den jeweils Herrschen- den besonders weitgehende Möglichkeiten und Kompetenzen, um ihre Vorstel- lungen von Außenverhalten zur Leitlinie werden und in die Praxis...

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