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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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TÄUSCHUNG – WAHRNEHMUNG – IDENTITÄT

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Anmerkungen zu den Topoi „Theater in Theaterstücken“ und „Theater auf dem Theater“ Theater in Theaterstücken ist ein literarisches Phänomen, ein bestimmter Topos innerhalb der Gattung Drama, und es ist Vorprogrammierung von Theater auf dem Theater. Die beeindruckende Zahl von nicht weniger als 36 „Fällen“, die Manfred Pauli in seinem Buch „Theater in Stücken“ so le- bendig wie präzise analysiert1 – und er war nicht auf Vollständigkeit aus! – belegt: Offenbar hatten gerade Dramatiker immer wieder Lust oder ver- spürten den Drang, vorerst im Kopf und auf dem Papier nicht nur selber Theater zu spielen, sondern dabei auch mit dem Theater zu spielen, mit ihm spielerisch zu jonglieren2. Zugleich gaben sie damit dem künstleri- schen Theater Vorgaben, wie es seinerseits mit sich selbst spielen kann. Diese Vorgaben sind keine Vorschriften, sondern Vorschläge. Das Thea- ter kann sie, wie alles, was vom Drama kommt, auf seinen Bühnen kaum völlig ignorieren (auch wenn Teile des postmodernen Regietheaters das Gegenteil zu belegen scheinen!), doch aber unterschiedlich akzentuieren, partiell auch kontern oder ausschlagen, ja sogar komplett „gegen den Strich bürsten“. Ganz abgesehen davon, daß per se in der konkreten sinn- lichen Ausgestaltung, Erscheinungsweise und Publikumsrezeption ein jeder Theaterabend anders aussieht als jeder andere selbst der gleichen Inszenierung. Von dem bekannten Kommunikationsmodell Roman Jakobsons ausge- hend läßt sich sagen, daß von den beiden Topoi zwei Funktionen beson- ders beansprucht werden: die poetische und die metasprachliche3. Daraus ergibt sich ihr ideeller wie künstlerischer Mehrwert....

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