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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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DIALOG MIT EINEM VERSTORBENEN DICHTER

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Eins: Ein Preuße Eine große, überaus nobel eingerichtete Wohnung in der Schönhauser Allee. Frage an den Komödiendichter Peter Hacks: „Verlangen historische Stoffe nicht oft, fast in der Regel, nach tragischen Lösungen?“ – „Nein, um Gotteswillen, ich suche mir doch die, die gut ausgehen ..., ich will doch keinen Fez mit Mord und Totschlag machen, das überlasse ich nun wirk- lich Herrn Müller.“ Immer werde sich die Gesellschaft aus allen Klemmen „herauswurschteln“, schon könne man ja sehen, „daß selbst die Klassen- gesellschaft eine Klemme ist, aus der man heraus kann.“ Es ist der 16. April 1974. Oft habe ich mich – der zeitweilig intensive Gesprächs- und Briefkontakt war 1983 abgebrochen – nach der so genannten Wende gefragt, wie Hacks den anscheinend definitiven Rückfall in die große Klemme ausgehalten hat. Sein trotziger, derzeit gern zitierter Hinweis auf ein kommendes Jahr- tausend gibt keine ganz befriedigende Antwort. Auch nicht, daß er weiter- hin Komödien schrieb – die, denke ich, schon erkennen lassen, wie lange er in den historischen Arsenalen hatte suchen müssen. Ich meine wirklich, wie er es aushalten konnte. Die Frage, die in „Senecas Tod“ der Held mit seinem letzten Atemzug formuliert: Wie kann man leben? Daß er sich gern als einen Preußen bezeichnet hat, fällt einem da ein. Das verantwortliche, das genaue und vor allem das unbedingte Arbeiten, das Arbeiten unter allen Umständen, mag damit gemeint gewesen sein. „Ich arbeite vorher und nicht hinterher“, hat er einmal gesagt, und damit...

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