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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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EIN TURM IN DER LANDSCHAFT

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– zu Uwe Tellkamps Roman AUSGANGSFRAGE Ist das nun endlich der große realistische Gesellschafts- roman über die DDR und ihr Ende? Der Tenor der überaus zahlreichen Kritiken legt es nahe. Fast scheint es so, als sei schon alles gesagt über das Buch. Über die emphatische Beschrei- bung des Dresdner Bildungsbürgertums in den späten, den dumpfen, le- thargischen, den bedrückendsten Jahren der DDR, über Christian Hoff- mann, den Schüler und Soldaten, seine Eltern, seinen Lieblingsonkel Meno und alle ihresgleichen, die Verwandten, Freunde, Bekannten aus Kliniken, Staatskapelle und Verlagen, aus der Literaturszene oder den Instituten des Professors Arbogast? Über die Zeit, deren zäher Fluß durch eine verzweigte Uhren-Metaphorik symbolisch wird und deren – als erzählte Zeit – rasende Beschleunigung schließlich doch die politische Wende mitvollzieht ? Über die Inselhaftigkeit so vieler Existenzen in diesem untergegangenen Land. Überall Inseln: das „Turm“-Viertel Weißer Hirsch, Ostrom, Arbogasts For- schungs- und Wohngelände, die Kohle- oder die Askanische Insel, bis hin zu den Großinseln Armee, Schwedt, „Samarkand“, Karbid, Braunkohle. All diese realen oder surrealen Orte, deren Wiedererkennbarkeit bis zur einzelnen Gasse und Straßenecke reicht und dann doch, zumindest im Spielort Dresden, ins Rätsel-, ja Märchenhafte, zuweilen hoch Symbolische transferiert wird: sie wurden hundertmal beschrieben. Und ist nicht auch über die Personen, über die ja sich Vergleichbares sagen läßt, genügend geschrieben und auch (wer ist wem nachgebildet?) spekuliert worden? Manches, was in den Kritiken und Laudationes stand, findet sich in den Internetforen weiter ausdifferenziert. Bis...

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