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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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ILLUSIONSTHEATER

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Eins: Fragestunde im Deutschen Bundestag im Januar 2001 Da wir jetzt die Herren Fischer und Trittin als Protagonisten behalten dür- fen, wenn es nicht noch ganz dumm kommt, wollen wir ein braves The- aterpublikum bleiben. Wir haben in die Hände geklatscht, unseren Pau- sensekt getrunken, glotzen („Glotzt nicht so romantisch!” – wer sagte das gleich?) wieder auf die Bühne, wo der nächste Akt längst begonnen hat. Der spielt auch auf der grünen Wiese, nur diesmal mit Rindern, Schwei- nen und einer neuen Hauptdarstellerin. Ist ja auch ganz spannend. Die Aktrice, eine jugendliche Naive, die nie eine Schauspielschule besucht hat, scheint ein Naturtalent zu sein. Trotzdem, der erste Teil des Abends ergreift uns noch immer. Wir sinnen ihm nach. Wir hatten uns so schön eingefühlt. Es war großartiges Illusionstheater! Wie der Joseph Fischer auf der stimmungsvoll ausgeleuchteten Skena des Amphitheaters Bundestag agierte, wie ihn die Regie durch ihr Arrange- ment dem zweigeteilten Chor der Abgeordneten gegenüberstellte, es läßt uns nicht los. Greifen wir zu hoch, wenn wir uns an die „Perser“ des Ais- chylos erinnert fühlen? Und dieser Chor – war er nicht gut? Mehrstimmig, in sich reich individualisiert, dialogisch kontrovers und doch ganz uniso- no, das hat Seltenheitswert. Das ist ein dialektisches Paradoxon á la Dür- renmatt! Wir als nationales Publikum sind beeindruckt. Wir verhehlen zudem nicht, daß wir uns ein wenig in der Orchideendis- ziplin Theaterwissenschaft umgetan haben. Altmeister Konstantin Stanis- lawski, der die „Kunst des Erlebens” in dem...

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