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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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WAHL-THEATRALITÄT – DAS BEISPIEL DER BERLIN-WAHL 2001

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Eins: Gute Schauspielkunst? 1 Der Deutsche Paul Cassirer schon früh, dann die Amerikaner George Her- bert Mead und Murray Edelman, nicht zuletzt der Franzose Pierre Bour- dieu haben unseren Blick für die symbolische Dimension des sozialen Le- bens und der politischen Kultur geschärft. Nicht sie allein, aber vor allem sie. Insbesondere Edelmans Unterscheidung zwischen den eigentlichen politischen Machtkämpfen und Entscheidungsprozessen einerseits, den öffentlich-publikumswirksamen Inszenierungen dieser Kämpfe und Pro- zesse andererseits wurde zu Recht ein einflußreiches Paradigma. „Politik als Zuschauersport“, als eine „Parade abstrakter Symbole“, als „bewegtes Panoptikum“ trat dem traditionellen Politikverständnis als „Tätigkeit or- ganisierter Gruppen zur Durchsetzung ganz spezifischer, greifbarer Vor- teile“ (Edelman: Politik als Ritual) zur Seite. Dirk Käsler hat terminologisch das Begriffspaar „Schaupolitik“ versus „Enscheidungspolitik“ dafür vorge- schlagen. (Käsler: Der Skandal als politisches Theater) Es fällt im Lichte neuester Diskurse ein wenig auf, daß Edelman auf den Sport, die Parade, das animierte Jahrmarkts-Tableau („Panoptikum“) ab- hebt, nicht aber auf die Theater-Metapher im engeren Sinne. Sein Lands- mann Richard Schechner hatte von „öffentlichen Aufführungsaktivitäten“ („public performance activities“) gesprochen, wobei das Theater nur eine von ihnen darstellt, neben Sport, Ritual, Performance, geregeltem Spiel (game) und anderen. In den vielfältigen Debatten um „Theatralität“, die in Deutschland zu einem Forschungsschwerpunkt unterschiedlichster Geistes- und Sozialwissenschaften geworden sind – nicht zuletzt durch Anstöße der modernen Theaterwissenschaft selbst! – wurde umgekehrt die „dramatologische“ oder „theatrale“ Perspektive als Folie installiert, auf der sich alle möglichen anthropologischen, kulturgeschichtlichen...

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