Show Less

Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

DIE NEUE ALTE STAATSDOKTRIN

Extract

20 Jahre nach Mauerfall und Vereinigung: Gedanken eines Leipzigers, den es in den Westen verschlug Die derzeitige Einheitseuphorie, als Gedenk-Kampagne zelebriert, ist ver- logen. Sie wird weder von der Masse der Bevölkerung geteilt, am wenigsten im Osten, noch von der seriösen zeitgeschichtlichen Forschung gestützt. Wieder einmal erleben wir einen anschwellenden Bocksgesang, nur nicht von Botho Strauss, sondern als Festtagschor der politischen Klasse, aller- hand intellektuelle und publizistische Helfershelfer in den Medien stim- men lauthals ein, die Bundestagswahl im September wirkt als Verstärker. Es geht um die nachhaltige Ideologisierung sowohl des Geschichtsbildes für die Zeit seit 1989 als auch des zivilgesellschaftlichen Gegenwartbe- wußtseins. Dazu bedarf es, wie stets in solchen Situationen, der Sprach- regelung. Wer zum Beispiel das Wort „Unrechtsstaat“ für die DDR nicht einfach nachsprechen will, dem kommt die Will. Hoch moralisch und funkelnden Blickes. Wer käme denn, nota bene, auf die Idee, ein Land, in dem einem Präsidentschaftskandidaten – im Jahre 2000 – sein vermutli- cher Wahlsieg durch den Obersten Gerichtshof abgesprochen wurde, in dem extensiv die Todesstrafe, und nicht so selten irrtümlich, verhängt und praktiziert wird, das völkerrechtswidrige Kriege geführt und mit dem Se- gen von Regierungsjuristen gefoltert hat, wer käme, frage ich, auf die Idee, dieses Land einen Unrechtsstaat zu nennen? Man hört den Aufschrei der Empörung. Und in der Tat: es wäre eine arge Vereinfachung. Die Ideologisierung des Geschichtsbildes besteht hier und heute darin, den apriorischen, unreflektierten, gar nicht mehr...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.