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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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DIE WEGSCHAUKUNST

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Fünf konstruktive Vorschläge für das zweite Fernseh-Duell Für ebenso wichtig wie die Darstellungskunst hielt der weise Theatermann Bertolt Brecht die Zuschaukunst. In der sollten wir uns für das zweite soge- nannte Duell der Kanzlerkandidaten am 8. September noch einmal schu- len. Um hin und wieder dahinter und schließlich gar das ein oder andere Politikum durch-schauen zu können. Laßt uns genauer nachsehen, sollten wir beschließen, um am Ende nicht das Nachsehen zu haben. Sollten wir? Wie es gelaufen ist, sollten wir besser die Wegschaukunst üben. Aber weil das natürlich sehr destruktiv klingt, soll die Begründung dafür mit einigen äußerst konstruktiven Vorschlägen für den zweiten Schlag- abtausch verbunden werden. Sie haben den geringfügigen Nachteil, The- orie bleiben müssen, da bereits beschlossen und verkündet wurde, daß die zweite Auflage wie die erste auszusehen habe, doch ist das schließlich nicht die Schuld des Verfassers. In dieser Minute, 36 Stunden nach dem Medienereignis, sind wir unter einer Lawine von Auswertungen, Analysen, Kommentaren, Blitz- und Don- ner-Umfragen sowie Nachfolgeduellen der Satrapen schon beinahe begra- ben. Relative Einigkeit scheint in zwei Punkten zu bestehen. Erstens, daß es keinen Sieger gibt, weshalb eigentlich Edmund Stoiber der Sieger sei, weil man ihn nämlich als Verlierer erwartet hatte. Zweitens, daß das Medie- nereignis keines war, vielmehr durch mediale Selbstreferenz und Selbst- befriedigung, durch die Deutungs- und Nachbereitungswut der Medien zu einem Event erst wurde – das immer noch anhält....

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