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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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ERNST IM SPIEL

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Am 1. Juli 2005 stellte Bundeskanzler Gerhard Schröder im Deutschen Bundestag die Vertrauensfrage mit dem Ziel, sie zu verlieren, um Neuwah- len zu ermöglichen. Indem er verlor, gewann er zunächst, was er wollte. Am 4. Juli 2005 wurde der sehr populäre Schauspieler Peter Sodann vom PDS-Vorsitzenden Lothar Bisky als sächsischer Spitzenkandidat für den Bundestag vorgestellt. Zwei Tage später zog er seine Kandidatur zurück mit der Begründung, daß er Schauspieler bleiben wolle. I In Leitartikeln und Feuilletons erleben wir in diesem politischen Sommer, wie schon so oft, eine Hochkonjunktur sprachlicher Dramen- und Theater- metaphorik, eines bunt und chaotisch ins andere fließend, unbekümmert um begriffliche Präzision. Die Poetik des Dramas einerseits, theatralische Darstellungsformen zum anderen, schließlich deren telekommunikative Vermittlung zum dritten werden kräftig miteinander vermengt. Daß wir in der ersten Julihälfte 2005, da diese Zeilen geschrieben werden, eine po- litische Lage in Deutschland und Europa haben, in der sich vieles entschei- det, ja die später „historisch“ genannt werden könnte, scheint für sich genommen nicht zu genügen: Es muß alles eine „Posse“, eine „Schmie- renkomödie“ oder „Farce“ sein, wahlweise auch einmal ein Drama „Der Herbst des Patriarchen“ mit „Prosperos Tragik“ als „Leitmelodie“ (Die Zeit) oder einfach „ein wahres Theaterstück“ (Süddeutsche Zeitung). So allent- halben. Von der Kulisse, dem Requisit, dem Vorhangzieher über den Souf- fleur bis zum Protagonisten oder selbst der tragischen Ironie lesen wir das gesamte Vokabular, wenn es...

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