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Phänomenologie der natürlichen Lebenswelt

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Klaus Held Prof. em. Dr.

Die Untersuchung entwickelt hermeneutisch-phänomenologisch eine Antwort auf die Frage, wie die Lebenswelt als Natur erfahren wird. Sie zeigt, wie der Naturbegriff bei Kant, insbesondere in den mathematischen Grundsätzen der «Kritik der reinen Vernunft», verarmt und wie er sich schon bei Aristoteles verengt. Bei beiden eröffnet sich aber zugleich die Möglichkeit des Rückgangs zu einem ursprünglicheren Naturverständnis im frühgriechischen Denken von Anaximander und Heraklit. Diesen Rückgang realisiert eine Neuinterpretation der Kosmologie und Psychologie des Aristoteles im weiteren Verlauf der Arbeit. Das führt zu einer Phänomenologie der Erfahrung des «Elementaren», das wissenschaftsgeschichtlich in Gestalt der alten Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft in Erscheinung trat, aber eigentlich eine viel weitere Bedeutung hat, die in den sogenannten subjektlosen Sätzen zur Sprache kommt.

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VORWORT

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Der Begriff „Lebenswelt“ im Titel dieses Buches erinnert an das letzte zu Lebzeiten veröffentlichte Werk von Edmund Husserl: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenolo- gie von 1936 . Die Wortprägung „Lebenswelt“ findet sich zwar schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der deutschen Litera- tur; zu einem Leitwort für das geistige Leben unserer Zeit ist sie aber erst dadurch geworden, dass Husserl den Begriff ins Zentrum der Gedanken seines Krisis-Werks rückte. Der modernen verwis- senschaftlichten Welt, d.h. der mit dem Anspruch auf Objektivität wissenschaftlich erkannten und auf dieser Grundlage technisch umgestalteten Welt, stellt er die Welt, wie sie uns subjektiv er- scheint, gegenüber. Diese letztere Welt nennt er „Lebenswelt“. Die Lebenswelt ist – so Husserl – heute in Vergessenheit gera- ten, und zwar durch den allgegenwärtigen, von ihm als Objektivis- mus bezeichneten Glauben an die Objektivität moderner wissen- schaftlicher Erkenntnis. Die Besinnung auf die vergessene Lebens- welt soll aufdecken, worauf sich der wissenschaftliche Glaube an objektive Erkenntnis letztlich stützt, und dadurch wiederum sollen sowohl die Rechtmäßigkeit als auch die Grenzen des Anspruchs objektiver Erkenntnis sichtbar werden. Durch die Erkenntnis der Grenzen zeigt sich zugleich, warum die objektivistische Lebens- weltvergessenheit über die Wissenschaft hinaus auch die mensch- liche Existenz-im-ganzen in eine Sinnkrise treibt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Lebenswelt gerade als Welt des subjektiven Er- scheinens-für-uns der Ort für ein menschliches Leben ist, das wir als heimatlich erfahren können. Durch die Krise...

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