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Phänomenologie der natürlichen Lebenswelt

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Klaus Held Prof. em. Dr.

Die Untersuchung entwickelt hermeneutisch-phänomenologisch eine Antwort auf die Frage, wie die Lebenswelt als Natur erfahren wird. Sie zeigt, wie der Naturbegriff bei Kant, insbesondere in den mathematischen Grundsätzen der «Kritik der reinen Vernunft», verarmt und wie er sich schon bei Aristoteles verengt. Bei beiden eröffnet sich aber zugleich die Möglichkeit des Rückgangs zu einem ursprünglicheren Naturverständnis im frühgriechischen Denken von Anaximander und Heraklit. Diesen Rückgang realisiert eine Neuinterpretation der Kosmologie und Psychologie des Aristoteles im weiteren Verlauf der Arbeit. Das führt zu einer Phänomenologie der Erfahrung des «Elementaren», das wissenschaftsgeschichtlich in Gestalt der alten Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft in Erscheinung trat, aber eigentlich eine viel weitere Bedeutung hat, die in den sogenannten subjektlosen Sätzen zur Sprache kommt.

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III. TEIL: ELEMENTARE LEBENSWELT

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I. KAPITEL: DAS ELEMENTARE IM FRÜHGRIECHISCHEN DENKEN 1. Psychologische und kosmologische Erklärung der Elemente Die auf die zuletzt beschriebene Weise zustandekommende Kenn- zeichnung der Elemente entspricht augenscheinlich weitgehend der alltäglichen Erfahrung in der Lebenswelt – allerdings nur „weitgehend“, weil diese Behauptung ebenso offenkundig für die Luft nicht zutrifft. Die Kennzeichnung der Luft ist der schwächste Punkt in dieser biologisch-psychologischen Begründung der aristo- telischen Elemententheorie. Dass die Luft das Heiße und Feuchte sein soll, entspricht nicht dem normalen Eindruck, den wir von ihr während der Jahreszeiten haben. Während des Winters in Grie- chenland, wo Aristoteles lebte, mag es zutreffen, dass die Luft feucht ist; denn diese Jahreszeit bringt am Mittelmeer eine Menge Regen. Aber für den Winter trifft es im Normalfall keineswegs zu, dass die Luft heiß ist. Im Sommer am Mittelmeer ist die Luft zwar tatsächlich heiß, aber dann ist sie zugleich besonders trocken. Bei den anderen Elementen gibt es keine solche Schwierigkeit zuzugeben, dass die von Aristoteles gegebene Kennzeichnung im großen und ganzen unserer lebensweltlichen Erfahrung während der Jahreszeiten entspricht. Doch auch hier ist die einschränkende Formulierung „im großen und ganzen“ angebracht. Die Schwäche dieser Theorie liegt darin, dass die vier Qualitätenpaare, die Aristo- teles zur Kennzeichnung der Elemente als einfacher Körper heran- zieht, nicht durchgängig mit unserer lebensweltlichen Erfahrung übereinstimmen. Und wenn wir uns an die lebensweltlich-anschau- lichen Gegebenheiten halten, können wir uns nicht verhehlen, dass zumindest bei der...

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