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Konnotationen oder konventionelle Implikaturen?

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Urszula Topczewska

Diese Arbeit fühlt sich der von L. Wittgenstein angedeuteten und von R. Keller entwickelten Gebrauchstheorie der Sprache verbunden. Kellers instrumentalistische Bedeutungstheorie geht davon aus, dass Zeichen allein aufgrund ihrer Gebrauchskonventionen zu Kommunikationszwecken verwendet werden. Im Rahmen dieser Theorie wird hier H. P. Grice’s Konzeption der konventionellen Implikaturen theoretisch ausgearbeitet und zur Explikation lexikalischer und grammatischer Bedeutungen angewendet, die sich den Analysemethoden herkömmlicher Semantik entziehen.

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2. Zum semantischen Status von Konnotationen

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Für die begriffliche Bestimmung der Konnotationenkategorie ist in erster Linie die Frage ausschlaggebend, ob und inwieweit Konnotationen zur Bedeutung ge- hören. Es ist nicht nur eine theoretisch schwerwiegende Fragestellung, die mit der jeweils vertretenen Semantikauffassung zusammenhängt, sondern zugleich ein durchaus praktisches Problem, das gewichtige Auswirkungen auf Methoden und weiterführende Fragestellungen der angewandten sprachwissenschaftlichen Disziplinen hat. Konnotationen werden immer wieder als „der entscheidende Faktor in der Übersetzungspraxis“ (Rössler 1979: 75) und daher auch als ein forschungsbedürftiges Übersetzungsproblem gewertet (vgl. Topczewska 2005). Der Status der Konnotationen ist auch für die lexikographischen Kodifikations- prinzipien der nicht-denotativen Informationen („Mitinformationen“) von Be- deutung, selbst wenn ihre Aufnahme in die Wörterbucheinträge mittlerweile au- ßer Frage steht (vgl. Ludwig 1991: 42). Nach wie vor bleibt allerdings aktuell die folgende Feststellung Dieckmanns: „Der Hinweis auf die Wichtigkeit der Konnotationen ist fast ein Topos in der lingu- istischen Literatur; doch ist er in der Regel kein Anlaß, sich mit ihnen genauer zu beschäftigen“ (Dieckmann 1979: 53, Anm. 17). Denselben Missstand konstatiert Blumenthal (1983) auch für die literaturwissen- schaftliche Forschung14. Er weist sowohl auf die inflationäre Verwendung dieser Kategorie, die „zum Oberbegriff für die meisten von der Rhetorik behandelten Gegenstände und einiges mehr“ geworden ist, als auch auf die ihr unberechtig- terweise zugeschriebene Aura „wissenschaftlicher Exaktheit und Fortschrittlich- keit“ hin (Blumenthal 1983: 96). Der Autor betont darüber hinaus, dass Konno- tationen „nur ein Konstrukt der Linguisten“ sind, „nicht aber ein klar umrissenes Phänomen in...

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