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Konnotationen oder konventionelle Implikaturen?

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Urszula Topczewska

Diese Arbeit fühlt sich der von L. Wittgenstein angedeuteten und von R. Keller entwickelten Gebrauchstheorie der Sprache verbunden. Kellers instrumentalistische Bedeutungstheorie geht davon aus, dass Zeichen allein aufgrund ihrer Gebrauchskonventionen zu Kommunikationszwecken verwendet werden. Im Rahmen dieser Theorie wird hier H. P. Grice’s Konzeption der konventionellen Implikaturen theoretisch ausgearbeitet und zur Explikation lexikalischer und grammatischer Bedeutungen angewendet, die sich den Analysemethoden herkömmlicher Semantik entziehen.

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4.1 Implikaturen als Ergebnis inferentieller Verstehensprozesse

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Die im vorangehenden Kapitel erläuterte Gebrauchstheorie der Bedeutung stellt zwar den ideengeschichtlichen Hintergrund für die Grice’sche Implikaturentheo- rie dar, Grice (1975) spricht sich aber unmissverständlich dafür aus, Bedeutung und Gebrauch auseinanderzuhalten. Die sog. konventionelle Bedeutung ist nur eine der Gebrauchsbedingungen für sprachliche Zeichen und erbringt ihre sinn- stiftende Leistung nur im Zusammenspiel mit anderen kontextbedingten Fakto- ren, wie etwa Situationswissen, Weltwissen und dem Wissen um sprachliche Interaktionsmuster. All diese Faktoren werden von den sprachlich Handelnden wechselseitig unterstellt bzw. als Erwartungen angenommen. Sie sind nicht ein- fach gegeben, sondern werden im Prozess der Wahrnehmung einer kommunika- tiven Handlung von den Beteiligten inferentiell konstituiert. Die in einer Äuße- rung gebrauchten sprachlichen Ausdrücke sind sowohl für den Sprecher als auch für den Hörer lediglich eine Art tertium comparationis bzw. das materielle, schriftlich oder akustisch gegebene Korrelat und zugleich die Prämisse ihrer kognitiven Prozesse, die zur Herausbildung der Äußerungsbedeutung und folg- lich der Bedeutung einzelner Ausdrücke führen. Das Verstehen einer Äußerung (what is uttered) besteht in praktischen Schlüssen, die eine Interpretation des Gesagten (what is said) bereitstellen und somit das Gemeinte (what is meant) zu erfassen verhelfen. Aufgrund einer Äu- ßerungsinterpretation wird insbesondere herausgefunden, zu welchem Zweck bzw. mit welcher Absicht die Äußerung verwendet wurde. Sprecherabsichten müssen im Prinzip immer inferentiell erschlossen werden. Die konventionelle Bedeutung der Äußerung „sagt“ uns lediglich etwas darüber, wie die Äußerung verwendet wurde, nicht aber wozu189. Es muss...

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