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«Sensualistischer Pantheismus»

Seine heuristische Bedeutung im Werk Ludwig Feuerbachs

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Michael Jeske

Feuerbach erkannte im modernen Pantheismus den «Geist der neuern Zeit», der vom jungen Schelling aufgegriffen und von Hegel begriffen worden ist. Unter anthropologischem Vorzeichen gelangt Feuerbach zu einem enttheologisierten All-Einheitsgedanken. Der leibhaftige Mensch, Resultat seiner Religionskritik, wird im Zuge seiner kritisch an Hegel orientierten Spinoza-Rezeption und -Kritik in die Ordnung der Natur gestellt. Dabei kommt dem «sensualistischen Pantheismus» als heuristischem Prinzip eine denkstrategisch bedeutsame Rolle zu. Die Darstellung der Kritik an Hegels Ontotheologie wird ergänzt durch Bezüge etwa zu Goethe, Heine, Marx und Schopenhauer. Zudem wird Feuerbach ins Vorfeld der freudschen Psychoanalyse gestellt. Ein Exkurs zu «Reaktion, Biedermeier, Vormärz» verdeutlicht den historisch-situativen Kontext, aus dem heraus Anliegen und Wirkung der Philosophie Feuerbachs allererst begreifbar werden.

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II. Zu Leben und Person Ludwig Feuerbachs

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Ludwig Andreas Feuerbach wurde 1804, im Todesjahr Immanuel Kants, am 28.07. in Landshut als Sohn der Eheleute Wilhelmine (geb. Tröster) und Paul Johann Anselm Feuerbach geboren. Sein Vater, seit 1808 Ritter von Feuerbach, war einer der renommiertesten Rechtstheoretiker seiner Zeit.107 Sein Bruder Karl Wilhelm war Professor für Mathematik „am Gymnasium in Erlangen und Hof“108. Sein Neffe Anselm zählt neben Arnold Böcklin und Hans Marées zu den repräsentativsten deutschen Malern des neunzehnten Jahrhunderts. Am 17. 04. 1823 schrieb sich Ludwig Feuerbach, streng protestantisch erzogen und bereits des Hebräischen mächtig, für ein Theologiestudium an der Universität Heidelberg ein.109 Auf Geheiß des Vaters nahm er sein Studium zunächst bei dem rationalistischen Theologen Heinrich Eberhard Gottlob Paulus auf. Schon bald erschienen Feuerbach Paulus’ „natürliche“ Wundererklärung, seine dog- 107 Feuerbach betont, dass sein Vater, „ein Meister der Feder“*, „keineswegs nur Jurist o- der Kriminalist“ war, „sondern ein „legislatorischer und rechtsphilosophischer Kopf im universellen Sinn des Worts“** (* Brief an Otto Wigand. 23. Dezember 1851. In: Lud- wig Feuerbach: Briefwechsel. Bd. III. In: GW 19, S. 336. ** Brief von Feuerbach an Jo- seph Schibich. 21. Oktober an 1851. A. a. O., S. 322). Als solcher genoss er unter Juris- ten hohes Ansehen, wovon noch die respektvolle Anrede „Verehrtester Herr Doktor!“ zeugt, die der gestandene Jurist (einstiger Mitarbeiter Hegels und Lehrer von Karl Marx) gegenüber dem Jüngeren wählte und sich damit, wie aus dem Brief von Gans an L. Feuerbach vom...

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