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«Sensualistischer Pantheismus»

Seine heuristische Bedeutung im Werk Ludwig Feuerbachs

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Michael Jeske

Feuerbach erkannte im modernen Pantheismus den «Geist der neuern Zeit», der vom jungen Schelling aufgegriffen und von Hegel begriffen worden ist. Unter anthropologischem Vorzeichen gelangt Feuerbach zu einem enttheologisierten All-Einheitsgedanken. Der leibhaftige Mensch, Resultat seiner Religionskritik, wird im Zuge seiner kritisch an Hegel orientierten Spinoza-Rezeption und -Kritik in die Ordnung der Natur gestellt. Dabei kommt dem «sensualistischen Pantheismus» als heuristischem Prinzip eine denkstrategisch bedeutsame Rolle zu. Die Darstellung der Kritik an Hegels Ontotheologie wird ergänzt durch Bezüge etwa zu Goethe, Heine, Marx und Schopenhauer. Zudem wird Feuerbach ins Vorfeld der freudschen Psychoanalyse gestellt. Ein Exkurs zu «Reaktion, Biedermeier, Vormärz» verdeutlicht den historisch-situativen Kontext, aus dem heraus Anliegen und Wirkung der Philosophie Feuerbachs allererst begreifbar werden.

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III. Kurzer Abriss einiger Pantheismen bis auf John Toland

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III.1 Begriff des Pantheismus Die Termini ,Pantheismus‘ und ,Spinozismus‘ wurden bis ins achtzehnte Jahr- hundert weitestgehend synonym gebraucht.126 Als Bezichtigungsbegriffe dienten sie zur polemischen Abwehr atheistischer beziehungsweise pantheistischer Leh- ren. Befehdet wurde die von den Pantheisten gelehrte Einheit von Gott und Welt, die beide gleichermaßen ewig seien. Während der Theismus Gott und Welt strikt voneinander trennt,127 werden sie vom Pantheismus einander identifi- ziert. In Letzterem ist Gott der Welt immanent; ergo kommt ihm keine transzen- dente Existenz zu. In Zedlers Universallexikon (der betreffende Band erschien 1740) heißt es denn auch: „Pantheismus, ist eigentlich ein Griechisches Wort, und bedeutet denjenigen Irrtum, da man tò p£n, das Gantze, oder vor eines ansieht. Diese Art des dogmatischen Ateismi pflegt man auch das Eleatische Systema zu nennen, indem in der Eleatischen Schule Xenophanes gelehret, daß alles eins wäre, oder daß nur eine Substanz sey, und weil zu 126 Gleich in der ersten Fußnote seiner Schrift Vorläufige Thesen zur Reformation der Phi- losophie stellt Feuerbach klar, er werde die an sich falschen „theologische[n] Be- zeichnungen“ ‚Pantheismus‘ und ‚Atheismus‘ „nur im Sinne trivialer Spitznamen“ ge- brauchen, da es auf der Hand liege, dass weder Spinozas noch Hegels „Philosophie Pan- theismus ist“ (GW 9, S. 243). Denn, fügt er hinzu, „der Pantheismus ist ein Orien- talismus“ (ebd.). 127 Die auf dem Konzil von Chalcedon 451 geprägte Formel Comunicatio idomatum besagt, Christi sei wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Sie bildet von der strikten Trennung des Ewigen...

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