Show Less

«Sensualistischer Pantheismus»

Seine heuristische Bedeutung im Werk Ludwig Feuerbachs

Series:

Michael Jeske

Feuerbach erkannte im modernen Pantheismus den «Geist der neuern Zeit», der vom jungen Schelling aufgegriffen und von Hegel begriffen worden ist. Unter anthropologischem Vorzeichen gelangt Feuerbach zu einem enttheologisierten All-Einheitsgedanken. Der leibhaftige Mensch, Resultat seiner Religionskritik, wird im Zuge seiner kritisch an Hegel orientierten Spinoza-Rezeption und -Kritik in die Ordnung der Natur gestellt. Dabei kommt dem «sensualistischen Pantheismus» als heuristischem Prinzip eine denkstrategisch bedeutsame Rolle zu. Die Darstellung der Kritik an Hegels Ontotheologie wird ergänzt durch Bezüge etwa zu Goethe, Heine, Marx und Schopenhauer. Zudem wird Feuerbach ins Vorfeld der freudschen Psychoanalyse gestellt. Ein Exkurs zu «Reaktion, Biedermeier, Vormärz» verdeutlicht den historisch-situativen Kontext, aus dem heraus Anliegen und Wirkung der Philosophie Feuerbachs allererst begreifbar werden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

IV. Verzögerte Spinoza-Rezeption in Deutschland

Extract

IV.1 Spinoza Spinoza führte ein bescheidenes Leben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit dem Schleifen optischer Gläser. Sein Werk ist, gemäß des Ideals seiner Zeit, der mathematischen Beweisführung verpflichtet. Wer es sich erschließen will, findet in dem uns erhaltenen Briefwechsel des Philosophen ein ergänzendes wie erhel- lendes Dokument. Als Freidenker stand Spinoza in engem Kontakt mit führen- den Köpfen seiner Zeit. Interessant ist in dieser Hinsicht sein Briefwechsel mit Heinrich Oldenburg, einem Mitglied der Londoner Royal Society, die aus einem Privatverein von Naturforschern hervorging, der 1845 von den Stuarts in den Stand einer Staatsanstalt erhoben wurde. Spinoza errichtete sein rationalistisches System auf den Grundsätzen der neuen Naturwissenschaft. Sein Ansatz, das Weltganze unter dem Gesichtspunkt der Unendlichkeit denkend zu durchdrin- gen, stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Philosophie dar. Spinoza po- larisierte, war umstritten. Einerseits genoss er den Schutz Jan de Witts, dem da- maligen Oberhaupt der niederländischen Republik, der ein Befürworter seiner Lehre war. Andererseits wurde Spinoza am 27. Juli 1656 aus der jüdischen Ge- meinde Amsterdams verbannt, nachdem alle Versuche der leitenden Rabbiner gescheitert waren, ihn vom Bruch mit dem Judaismus abzuhalten. Paul Hazard berichtet davon, dass im achtzehnten Jahrhundert der Name Spinozas nicht nur unter Christen, Katholiken wie Protestanten, sondern auch unter den meisten Philosophen „[i]mmer wieder dieselben Gebärden des Ab- scheus, de[n]selben Widerwillen, dieselben Entrüstungsschreie“ hervorrief. Stets wiederholten sich die „heftigen Beschimpfungen dieses Gottlosen, dieses Ver- brechers, dieses ‚elenden Hundes‘“209....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.