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«Sensualistischer Pantheismus»

Seine heuristische Bedeutung im Werk Ludwig Feuerbachs

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Michael Jeske

Feuerbach erkannte im modernen Pantheismus den «Geist der neuern Zeit», der vom jungen Schelling aufgegriffen und von Hegel begriffen worden ist. Unter anthropologischem Vorzeichen gelangt Feuerbach zu einem enttheologisierten All-Einheitsgedanken. Der leibhaftige Mensch, Resultat seiner Religionskritik, wird im Zuge seiner kritisch an Hegel orientierten Spinoza-Rezeption und -Kritik in die Ordnung der Natur gestellt. Dabei kommt dem «sensualistischen Pantheismus» als heuristischem Prinzip eine denkstrategisch bedeutsame Rolle zu. Die Darstellung der Kritik an Hegels Ontotheologie wird ergänzt durch Bezüge etwa zu Goethe, Heine, Marx und Schopenhauer. Zudem wird Feuerbach ins Vorfeld der freudschen Psychoanalyse gestellt. Ein Exkurs zu «Reaktion, Biedermeier, Vormärz» verdeutlicht den historisch-situativen Kontext, aus dem heraus Anliegen und Wirkung der Philosophie Feuerbachs allererst begreifbar werden.

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VI. Feuerbach im Kontext seiner Zeit: Reaktion, Biedermeier, Vormärz

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Sowohl Feuerbachs Jugend als auch sein späteres Wirken fallen in die Epoche des Biedermeier, die sich vom Wiener Kongress 1814/5 bis zur Märzrevolution von 1848 erstreckte. Die deutschen Staaten waren seit 1815 im Deutschen Bund assoziiert, der in jenen Jahren unter der Führung Österreichs zum Instrument des Kanzlers Klemens Fürst von Metternich wurde. In seiner Hand liefen die politi- schen Fäden zusammen. Einen deutschen Nationalstaat, der idealiter aus dem Geist der Befreiungskriege erstrebt wurde, gab es realiter noch nicht. Metternich selbst wurde bald zum Symbol von Repression und Unfreiheit. Er prägte der „Heiligen Allianz“, die am 26. 09. 1815 auf Veranlassung des russischen Zaren Alexander I. zur Abwehr progressiver Tendenzen zwischen Russland, Österreich und Preußen – gegen die jeweiligen Bevölkerungen – geschlossen wurde, den Charakter eines Bündnisses auf. Metternichs konservatives System zielte in der nachnapoleonischen Ära ab auf den Erhalt der sozialen und politischen Ordnung Europas, wie sie auf dem Wiener Kongress restauriert worden war. Zwar herrschte für zwei Jahrzehnte Friede in Europa, aber zur Rettung des Feudalsys- tems begegneten die Machthaber demokratisch-republikanischen Ideen mit poli- zeistaatlichen Mitteln. Revolutionären Umtrieben und demagogischen Verbin- dungen wurde durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819 die legale Basis entzo- gen. Mit der Demagogenverfolgung stellten sich spießbürgerliche Verhältnisse ein. Als der gallischen Hahn im Juli des Jahres 1830 – zum zweiten Mal – kräh- te, kam es diesseits des Rheins zu Barrikadenkämpfen. Die Feudalität be- schwichtigte die liberal-demokratischen Kräfte mit...

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