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«Ich gründe eine Akademie für Selbstachtung.»

Moritz-Rinke-Arbeitsbuch

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Edited By Kai Bremer

In seinem Stück Café Umberto setzt sich der Schriftsteller und Journalist Moritz Rinke mit Problemen der Arbeitswelt auseinander. Dabei bezieht er konkrete politische Maßnahmen ebenso ein wie Fragen nach dem Ort des Utopischen in der Gegenwart. Das Utopische ist in dem Stück dem Lebenskünstler Jaro vorbehalten, er beschließt: «Ich gründe eine Akademie für Selbstachtung.» Im Stück scheitert Jaro. Doch gerade dadurch fordert das Drama heraus. Es nimmt die Realität zur Kenntnis und macht nicht schlicht einen utopischen Raum auf, sondern insistiert darauf, dass immer wieder aufs Neue darüber nachgedacht werden muss, in welcher Welt wir leben wollen. Dies ist ein Grundzug der Literatur Rinkes. Deswegen gibt Jaros Satz dem Arbeitsbuch über Moritz Rinke den Titel.

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I. Essays und Interviews zum literarischen Werk

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I.  Essays  und  Interviews  zum  literarischen  Werk 13   Der  Dramatiker  Moritz  Rinke:  Das  Spiel  mit  der  Wirklichkeit   THOMAS  IRMER     Wenn  es  aber  Wirklichkeitssinn  gibt,  und  niemand  wird  be-­‐ zweifeln,  daß  er  seine  Daseinsberechtigung  hat,  dann  muß  es   auch  etwas  geben,  das  man  Möglichkeitssinn  nennen  kann.       Dieser  Satz  von  Robert  Musil  könnte  über  allem  stehen,  was  der  Stückeschrei-­‐ ber  und  Feuilletonist  Moritz  Rinke  bislang  geschrieben  hat.  Zumindest  ließe  sich   so  die  innere  Bewegung  seiner  Texte  aufzeigen,  in  denen  immer  eine  Ungleich-­‐ zeitigkeit  von  Welten  zu  entdecken  ist,  die  dem  Ganzen  dann  mit  einer  Energie   zusetzt,  dass  die  Klaviatur  von  tiefer  Melancholie  bis  purem  Witz  einer  eingängi-­‐ gen  Melodie  zu  folgen  scheint.  Der  Germane  Helmbrecht,  der  in  dem  Stück  Der   Mann,  der  noch  keiner  Frau  Blöße  entdeckte   aus  seiner  spätrömischen  Zeit   in   die  Gegenwart  einer  Theaterprobe  von  Romeo  und  Julia  tappt,  ist  vielleicht  der   anschaulichste  Repräsentant  dieser  Ungleichzeitigkeit.  Rinke,  gewiss  auch  einer   der   witzigsten   Journalisten   heute,   hat   neben   vielem   anderen   und   einer   glei-­‐ chermaßen   anachronistisch   beschwingten   EXPO-­‐Kritik   außerdem   bewiesen,   dass   selbst   bei   dem   ehemaligen   Kulturstaatsminister  Michael   Naumann   komi-­‐ sche  Ungleichzeitigkeiten   zu   entdecken   sind.   Als   Naumann,   der   ansonsten   ein   sehr  aufgeklärter  Kritiker  seiner  Zeit  ist,  sich  zu  einer  Bemerkung  über  die  nega-­‐ tiven  Folgen  des  Internet-­‐Konsums  für  die  literarische  Bildung  hinreißen  ließ  (Je-­‐ der  könne  ja  ganz  schnell  etwas  zu  beispielsweise  „Shakespeare  und  der  Mond“   herunterladen,   ohne   auch   nur   eine   Zeile   Shakespeare   zu   lesen),   tippte...

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