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«Ich gründe eine Akademie für Selbstachtung.»

Moritz-Rinke-Arbeitsbuch

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Edited By Kai Bremer

In seinem Stück Café Umberto setzt sich der Schriftsteller und Journalist Moritz Rinke mit Problemen der Arbeitswelt auseinander. Dabei bezieht er konkrete politische Maßnahmen ebenso ein wie Fragen nach dem Ort des Utopischen in der Gegenwart. Das Utopische ist in dem Stück dem Lebenskünstler Jaro vorbehalten, er beschließt: «Ich gründe eine Akademie für Selbstachtung.» Im Stück scheitert Jaro. Doch gerade dadurch fordert das Drama heraus. Es nimmt die Realität zur Kenntnis und macht nicht schlicht einen utopischen Raum auf, sondern insistiert darauf, dass immer wieder aufs Neue darüber nachgedacht werden muss, in welcher Welt wir leben wollen. Dies ist ein Grundzug der Literatur Rinkes. Deswegen gibt Jaros Satz dem Arbeitsbuch über Moritz Rinke den Titel.

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II. Notizen zu Werkgenese, Rezeption und Werdegang

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II.  Notizen  zu  Werkgenese,  Rezeption  und  Werdegang     1.  Lektüren  und  Inszenierungen   119   Die  Melodie  des  Möglichkeitssinns   KLAUS  VÖLKER     „Jeder  Mensch  mit   einer   neuen   Idee   ist   ein   Spinner,   bis   die   Idee   Erfolg   hat.”   Dass  Moritz  Rinke  im  Sinne  dieses  Zitats  von  Mark  Twain  Erfolg  hat  und  zweifel-­‐ los  zu  Deutschlands  „100  Köpfen  von  morgen”  gehört,  verdankt  er  leider  nicht   der   Wirkung   und   Beliebtheit   seiner   Stücke,   sondern   der   Fähigkeit,   bei   den   Events  des  Kulturbetriebs  inklusive  Fußball  zur  Stelle  zu  sein  und  sich  mit  intel-­‐ ligenten   Feuilletons   einen   Reim   auf   die   laufenden   Ereignisse   zu  machen.   Auf   diese  Weise  immerhin  bleibt  der  inzwischen  gut  40jährige  Stückeschreiber  Rin-­‐ ke,  der  1996  mit  dem  Grauen  Engel  sein  Bühnendebüt  hatte  und   in  der  Spiel-­‐ zeit   der   Jahrtausendwende  mit  Republik   Vineta   in   Hamburg   einen  wirklichen   Publikumserfolg  verbuchen  konnte,  im  Bewusstsein  der  Öffentlichkeit  ein  dem   Namen   nach   bekannter   Theaterautor.  Mit   seinen  Nibelungen,   einer  mit   galli-­‐ schem   Witz   durchsetzten,   auf   germanistischen   Mythendunst   verzichtenden   Dramatisierung  dieser  urdeutschen  Heldensage,  erreicht  er  sogar  in  Worms  seit   2002  ein  dankbares  Freilichtfestivalpublikum.     Wenn  er   auch  an   „Leib-­‐Schreiben”-­‐Veranstaltungen  unbeirrt   teilnimmt,   ge-­‐ hört  Rinke  für  mich  nicht  zur  Spezies  szenischer  Theaterschreiber,  die  die  Her-­‐ zen  der  Stückemarktbetreiber  und  Literaturwerkstättenleiter  zwar  höher  schla-­‐ gen   lassen,   die   mit   ihren   Stücken   aber   kein   Publikum   finden,   zumal   die   verantwortlichen  Theaterleiter  ihnen  jede  Repertoirefähigkeit  absprechen.  Rin-­‐ ke   verfasst   im   Wesentlichen   keine   Stücke   für   den   Sonderforschungsbereich   „Kulturen  des  Performativen...

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