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Preisgekrönte

Zwölf Autoren und Autorinnen von Paul Heyse bis Herta Müller- Ausgewählte Werke, sprachkritisch untersucht

Wolfgang Beutin

Karl Kraus entwickelte 1930 die Idee, das Œuvre eines zeitgenössischen deutschen Literaturnobelpreisträgers sprachkritisch zu untersuchen und zu fragen, ob es die Auszeichnung rechtfertige. Sprachkritik hieß in seiner Sicht nicht in erster Linie Feststellung von Verstößen gegen die Grammatik und Stilistik (dies nur dann, falls die Ehrung ausdrücklich mit der sprachlichen Meisterschaft eines Autors begründet wurde), sondern fungiert im weiteren Sinne als Stilkritik unter Einschluß der Kritik des Denkstils, die weiter zur Einschätzung der Denkweise führt (Ideologiekritik). In diesem Buch wird die Idee von Kraus ausweitend aufgenommen und auf ausgewählte Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts angewendet. Sieben von ihnen erhielten den Literaturnobelpreis, und auch die fünf anderen Autoren gehören zu den meist ausgezeichneten mit teilweise Dutzenden von Literaturpreisen.

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Gerhart Hauptmann (1862-1946): In der Luftwohnt deutscher Frühling

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Gerhart Hauptmann (1862-1946): In der Luft wohnt deutscher Frühling Als Tourist in Hellas, 1907 Kunstfreund, wohin sind wir gekommen, daß wir es wa- gen, diese großen Göttergräber aufzuwühlen und die un- sterblichen Toten ans Licht zu ziehen, da wir doch wis sen, wie hart bei den Römern die bloße Verletzung der Menschengrüfte verpönt war. Freilich achten Aufge- klärte diese Verstorbenen jetzt geradezu für Götzen … Bonaventura, Nachtwachen (dreizehnte) In seinem Reisebericht bekennt er: Ich empfinde inmitten dieser grenzenlos spielenden Schönheit, die von einem grunderhabenen düsteren Glanze gesättigt ist, immer eine fast schmerzhafte Span- nung, als ob ich mich einem redenden Brunnen, einem Urbrunnen aller chthonischen Weisheit gleichsam annäherte, der, wiederum einem Urmunde gleich, unmittelbar aus der Seele der Erde geöffnet sein würde. (114) So tönt nun allerdings kein redender Brunnen, sondern in seinem Buch „Grie- chischer Frühling“, verfaßt 19071, der deutsche Dichter Gerhart Hauptmann. In wessen Gesellschaft reist er? Seine Formulierungen deuten an, man sei zu meh- reren unterwegs: Immer weiter zwischen verwilderten Hecken, mit Blüten bedeckten, schreiten wir. (24) – Wir reisen nun schon seit einiger Zeit durch die Ebene hin. (151) Doch beantwortet kein Urmund die Frage, wer „wir“ sein könnten. Des Verfas- sers Blick fällt kaum einmal auf ihn begleitende Personen. Wenige Seiten vor Ende des Buchs hört man plötzlich von „meiner Reisegefährtin“. (191) Also ei- ne Frau begleitet den reisenden Dichter,...

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