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Preisgekrönte

Zwölf Autoren und Autorinnen von Paul Heyse bis Herta Müller- Ausgewählte Werke, sprachkritisch untersucht

Wolfgang Beutin

Karl Kraus entwickelte 1930 die Idee, das Œuvre eines zeitgenössischen deutschen Literaturnobelpreisträgers sprachkritisch zu untersuchen und zu fragen, ob es die Auszeichnung rechtfertige. Sprachkritik hieß in seiner Sicht nicht in erster Linie Feststellung von Verstößen gegen die Grammatik und Stilistik (dies nur dann, falls die Ehrung ausdrücklich mit der sprachlichen Meisterschaft eines Autors begründet wurde), sondern fungiert im weiteren Sinne als Stilkritik unter Einschluß der Kritik des Denkstils, die weiter zur Einschätzung der Denkweise führt (Ideologiekritik). In diesem Buch wird die Idee von Kraus ausweitend aufgenommen und auf ausgewählte Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts angewendet. Sieben von ihnen erhielten den Literaturnobelpreis, und auch die fünf anderen Autoren gehören zu den meist ausgezeichneten mit teilweise Dutzenden von Literaturpreisen.

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Wilhelm Lehmann (1882-1968): Hüftaufwärtsrage ich ins Geisterland

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Wilhelm Lehmann (1882-1968): Hüftaufwärts rage ich ins Geisterland1 Außer ganz untergegangenen Autoren gibt es die halb oder dreiviertel vergesse- nen. Und es gibt die Bemühungen von Literaturenthusiasten, sie alle von Zeit zu Zeit erneut zu popularisieren. Beispielsweise meldete am 22. März 2011 das „Stormarner Tageblatt“: am Donnerstag, dem 24. März, widme die „Matthias-Claudius-Vereinigung“, Reinfeld, „dem fast vergessenen Dichter Wilhelm Lehmann … einen literari- schen Abend“. Wie nicht unüblich, wenn man dem Publikum eine Veranstaltung wie diese schmackhaft machen möchte, nannte man die stattliche Zahl der Prei- se, die dem Autor verliehen worden waren. Den Kleist-Preis hatte er 1923 für sein bis dahin erschienenes Romanwerk erhalten2, anteilig; der zweite Preisträ- ger war Robert Musil. Später u. a. den Lessing-Preis (1953) sowie den Schiller- Gedächtnispreis (1959). Die Hitze dörrt den Stapf der Kuh, Gewitterregen schlämmt ihn zu … (1,93) Diese Verse stehen in dem 1942 veröffentlichten Gedichtbuch „Der grüne Gott“ von Wilhelm Lehmann. Aus demselben stammt: Grasmückenmann sang immer noch. So hör ihn doch! So hör ihn doch! (1,104) Wer mochte im Jahre 1942 aber ausgerechnet „Grasmückenmann“ hören? Man- che Menschen hörten in dem von Kriegen erfüllten 20. Jahrhundert anderes, be- sprachen nicht die – mit Lehmanns Wort – „Grasmückenbegattung“ (1,17), die ihn im Jahre 1928 beschäftigte. Ist denn das Lyrik, was unser Poet da ans Licht gebracht hat? – Das sind Marginalien zur Botanik und Zoologie. Er nennt...

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