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Preisgekrönte

Zwölf Autoren und Autorinnen von Paul Heyse bis Herta Müller- Ausgewählte Werke, sprachkritisch untersucht

Wolfgang Beutin

Karl Kraus entwickelte 1930 die Idee, das Œuvre eines zeitgenössischen deutschen Literaturnobelpreisträgers sprachkritisch zu untersuchen und zu fragen, ob es die Auszeichnung rechtfertige. Sprachkritik hieß in seiner Sicht nicht in erster Linie Feststellung von Verstößen gegen die Grammatik und Stilistik (dies nur dann, falls die Ehrung ausdrücklich mit der sprachlichen Meisterschaft eines Autors begründet wurde), sondern fungiert im weiteren Sinne als Stilkritik unter Einschluß der Kritik des Denkstils, die weiter zur Einschätzung der Denkweise führt (Ideologiekritik). In diesem Buch wird die Idee von Kraus ausweitend aufgenommen und auf ausgewählte Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts angewendet. Sieben von ihnen erhielten den Literaturnobelpreis, und auch die fünf anderen Autoren gehören zu den meist ausgezeichneten mit teilweise Dutzenden von Literaturpreisen.

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Günter Grass (geb. 1927): Ohne Verdienstunbelastet

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Günter Grass (geb. 1927): Ohne Verdienst unbelastet Bange Wahl: „Heimgeholt“ oder „heimgeleuchtet“? Zum 80. Geburtstag des Autors 2007 gab es eine Fülle von Reden, Artikeln und Kommentaren über ihn. Worin sahen die Verfasser, die politischen und Tonan- geber in den Medien, die Brauchbarkeit des gefeierten Künstlers? Ließen sie in ihren Beiträgen durchblicken, daß sich ihre Meinung geändert hatte, seitdem seine ehemalige SS-Zugehörigkeit publik geworden war? Ist die Forschung in- zwischen stärker sensibilisiert? Und weiter: Darf man von den Feten 2007 auf die Mentalität der Feiernden und ihre Ideologie rückschließen, gar auf die geis- tig-kulturelle und politische Situation des Landes, worin man sich anstrengte, den Autor zur „Symbolfigur“ der deutschen Literatur zu erheben, zu einem Re- präsentanten deutscher Literatur, deutscher Kultur, ja Deutschlands selber? Der damalige Bundespräsident Horst Köhler hielt die Laudatio bei der Fest- veranstaltung am 27. Oktober 2007 in Lübeck. Er betitelte seine Rede: „Patrio- tisch um Deutschland ringen“. 1 Hierin versicherte er: Seit dem Erscheinen der Blechtrommel ist Günter Grass die Symbolfigur der deut- schen Literatur – im eigenen Land und in der ganzen Welt. Einem anderen Lübecker, Thomas Mann, vergleichbar, sei er zu „einem Reprä- sentanten deutscher Literatur, deutscher Kultur, ja in gewisser Weise Deutsch- lands“ geworden. Mit einer gewissen Distanzierung, einem Hauch von Kritik, wie es einer überregionalen Zeitung ziemt, wenn die jüngste Verlautbarung eines Vormanns der Republik glossiert werden muß, wartete Hubert Spiegel alsbald in der FAZ...

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