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Freispruch in Nürnberg

Der Weg zum freisprechenden Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg im Fall Hans Fritzsche

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Beatrice Schäfers

Das von den Siegermächten nach dem zweiten Weltkrieg errichtete Internationale Militärtribunal von Nürnberg hat 3 der insgesamt 22 angeklagten, sogenannten deutschen Hauptkriegsverbrecher von ihrer Schuld gänzlich freigesprochen. Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung eines dieser drei Freisprüche, und zwar desjenigen des wichtigsten deutschen Rundfunkkommentators des Zweiten Weltkrieges, Hans Fritzsche. Was waren die Hintergründe und Motive für diesen Freispruch? War er das Ergebnis einer erfolgreichen Verteidigungsstrategie? Auf der Suche nach Antworten wird der Hauptkriegsverbrecherprozess sowohl in verfahrens- als auch in materiell-rechtlicher Hinsicht einer Analyse unterzogen. Insbesondere die viel umstrittene und bislang wissenschaftlich wenig beachtete Verschwörungsanklage und ihre richterliche Beurteilung erfährt dabei eine intensive Begutachtung. Die wesentlichen Forschungsgrundlagen der Arbeit sind die amtlichen Protokolle des Nürnberger Prozesses in deutscher Fassung sowie die Mitschriften über die in London von den Alliierten geführten Verhandlungen und die in diesem Zusammenhang erstellten vorbereitenden Gesetzentwürfe.

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Der Weg auf die Anklagebank

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Dass Fritzsche sich vor dem Internationalen Militärgerichtshof (im Folgenden: IMT) verantworten musste, ist Folge eines langwierigen Entscheidungsprozesses der Siegermächte über die Frage des Umgangs mit den Nazi-Verbrechern20. Bereits am 13. Januar 1942 versammelten sich Vertreter der neun Exilregie- rungen Belgiens, Frankreichs, Griechenlands, Großbritanniens, Jugoslawiens, Luxemburgs, der Niederlande, Norwegens, Polens, und der Tschechoslowakei im St. James’s Palace in London und kündigten in der „Erklärung von St. James“ die Bestrafung der von Deutschen in den besetzten Gebieten begangenen Verbrechen an der Zivilbevölke rung durch ein justizförmiges Verfahren an21. Im Oktober des Folgejahres wurde auf einer Konferenz der Alliierten in London die United Nations War Crimes Commission (im Folgenden: UNWCC) gegründet – eine amtliche Kommission, deren Hauptaufgabe in der Sammlung von Informationen und Beweisen zu Kriegsverbrechen lag22 und die bis zum Frühjahr 1948 tätig blieb23. In der für das Völkerrecht insgesamt bedeutsamen24, berühmten Mos kauer Deklaration vom 30. Oktober 194325 beschlossen die Au ßenminister von Groß- britannien, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika, dass die Kriegsverbrecher, deren Wirkungs kreis sich auf ein bestimmtes Gebiet beschrän- ken ließ, an das Land, in dem sie die Verbrechen verübt hatten, ausgeliefert und nach dem dort geltenden Recht verurteilt werden sollten. Das Schicksal von 20 Eingehend dazu Ginsburgs, in: ders./Kudriavtsev, S. 9 ff.; Smith, Road to Nuremberg. 21 Siehe Erklärung von St. James vom 12.06.1941, abrufbar unter: http://avalon.law.yale.edu/imt/ imtjames.asp (Stand: August 2010); dazu auch: Ahlbrecht, S. 63; Ascensio,...

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