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Freispruch in Nürnberg

Der Weg zum freisprechenden Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg im Fall Hans Fritzsche

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Beatrice Schäfers

Das von den Siegermächten nach dem zweiten Weltkrieg errichtete Internationale Militärtribunal von Nürnberg hat 3 der insgesamt 22 angeklagten, sogenannten deutschen Hauptkriegsverbrecher von ihrer Schuld gänzlich freigesprochen. Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung eines dieser drei Freisprüche, und zwar desjenigen des wichtigsten deutschen Rundfunkkommentators des Zweiten Weltkrieges, Hans Fritzsche. Was waren die Hintergründe und Motive für diesen Freispruch? War er das Ergebnis einer erfolgreichen Verteidigungsstrategie? Auf der Suche nach Antworten wird der Hauptkriegsverbrecherprozess sowohl in verfahrens- als auch in materiell-rechtlicher Hinsicht einer Analyse unterzogen. Insbesondere die viel umstrittene und bislang wissenschaftlich wenig beachtete Verschwörungsanklage und ihre richterliche Beurteilung erfährt dabei eine intensive Begutachtung. Die wesentlichen Forschungsgrundlagen der Arbeit sind die amtlichen Protokolle des Nürnberger Prozesses in deutscher Fassung sowie die Mitschriften über die in London von den Alliierten geführten Verhandlungen und die in diesem Zusammenhang erstellten vorbereitenden Gesetzentwürfe.

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3. Teil: Der Fall Fritzsche

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I) Die anklägerische Begründung der Strafbarkeit Fritzsches 1) Verschwörung Die amerikanische Anklage hatte mit den allgemeinen Darlegungen zum ersten Anklagepunkt das Bestehen einer umfassenden Verschwörung belegen wollen. Die Darstellung der diesbezüglichen persönlichen Verantwortlichkeit der einzel- nen Angeklagten konnte daher allein darauf gerichtet werden, ihre Mitgliedschaft in der auf alle drei Verbrechenskategorien gerichteten Verschwörung nachzuwei- sen, um so eine Verantwortlichkeit aller für sämtliche von den Nazis begangenen Verbrechen im Sinne des letzten Absatzes von Art. 6 IMT-Statut auszulösen. Fritzsches Zugehörigkeit zur Gruppe der Verschwörer leitete die Anklage sowohl aus den von ihm im RMVP bekleideten Stellungen und seinen damit ver- bundenen Aufgaben, als auch aus seinen Rundfunkansprachen ab. Der faschis- tische Propagandaapparat wurde in seiner Bedeutung als wichtiges Mittel zur Beeinflussung des deutschen Volkes und zur psychologischen Kriegsführung gegen andere Völker insgesamt als wesentlicher Bestandteil der Verschwörung619, in dem Fritzsche als führender Nazi-Propagandist bedeutende Aufgaben wahr- genommen habe620, dargestellt. Sein Eintritt in das RMVP und sein Parteibeitritt im Jahre 1933 begründeten nach anklägerischer Vorstellung den Beginn seiner verschwörerischen Tätig- keit621. Hierzu wurde zutreffend ausgeführt, dass Fritzsche als Leiter des Draht- losen Dienstes die Verbreitung aller Radionachrichten für die Regierung kont- rolliert und durch die Gründung des Referats Nachrichtenwesen die gesamten deutschen Nachrichtenagenturen unter faschistische Kontrolle gebracht hatte622. Die Leitung der Abteilung Deutsche Presse von 1938 bis 1942 bezeichnete die Anklage als seine „Hauptverschwörertätigkeit“, da Fritzsche in...

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