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Vita Simplicii

Einsiedlerleben und Antoniusverehrung bei Grimmelshausen

Lars Kaminski

Eremitenfiguren sind im Werk Grimmelshausens von zentraler Bedeutung. So wird Simplicius nicht nur durch die Lehren eines Klausners nachhaltig geprägt, seine Autobiographie endet auch in kontemplativer Einsamkeit. Diese Studie ist eine umfassende Analyse des Mönchslebens Simplicii, das in der Continuatio und im Springinsfeld geschildert wird. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt, nach welchen Vorbildern der «Monachus» gestaltet ist und wie Grimmelshausen das Eremitendasein für den Leser plastisch werden lässt. Als ein Grundthema tritt Grimmelshausens Auseinandersetzung mit Antonius Eremita hervor. Es zeigt sich, dass der Einfluss des Antoniuskultes auf die Romane Grimmelshausens ebenso berücksichtigt werden muss wie die Vita Antonii, will man das Eremitenleben Simplicii verstehen.

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II. Das Böse 19

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19 II. Das Böse 1. Die Todsünden 1.1 Die Versuchung im vermeintlichen Paradies Nachdem Simplicius wegen der Kriegsunruhen des „Damascenische[n] Krie- g[es] in Syria und Iudea“ (Cont 550) sein Vorhaben verworfen hat, eine Pilger- reise nach Jerusalem zu unternehmen, fasst er den Entschluss, Santiago de Com- postela zu besuchen. Das neue Ziel vor Augen, tritt er eine Schiffsreise an, die ihn zunächst vom Roten Meer nach Portugal führen soll. Seine Überfahrt wird jedoch jäh beendet. Das Schiff gerät nach mehrwöchiger Reise in einen schwe- ren Seesturm, in dem es an einer Felsklippe zerschellt. Sich an den Schiffstrüm- mern festkrallend, gelingt es nur Simplicius und einem portugiesischen Zim- mermann, der Katastrophe zu entrinnen. Nach tagelangem Treiben auf offenem Meer werden die beiden Männer ausgezehrt an ein Eiland gespült, das sich als ein überaus fruchtbarer Ort erweist. Da Simplicius und der Zimmermann davon ausgehen, dass sie ohne jegliche Aussicht auf Rettung „wie Gefangne in dieser Jnsul beyeinander leben [müssen]“, schwören sie sich gegenseitig „beständige Treu“ (Cont 553). Von da an gestaltet sich die Zeit der beiden Inselbewohner zunächst in ereignisarmem Glück. Sie staunen über die reichhaltigen Naturschät- ze des Inselparadieses und richten ihr neues Leben ein – doch die Idylle wird schon sehr bald gestört. Bei einem Gespräch am Strand sehen die beiden Männer plötzlich, wie eine erschöpfte Frau auf einer Kiste an das Ufer der Insel ge- schwemmt wird:...

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