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Vita Simplicii

Einsiedlerleben und Antoniusverehrung bei Grimmelshausen

Lars Kaminski

Eremitenfiguren sind im Werk Grimmelshausens von zentraler Bedeutung. So wird Simplicius nicht nur durch die Lehren eines Klausners nachhaltig geprägt, seine Autobiographie endet auch in kontemplativer Einsamkeit. Diese Studie ist eine umfassende Analyse des Mönchslebens Simplicii, das in der Continuatio und im Springinsfeld geschildert wird. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt, nach welchen Vorbildern der «Monachus» gestaltet ist und wie Grimmelshausen das Eremitendasein für den Leser plastisch werden lässt. Als ein Grundthema tritt Grimmelshausens Auseinandersetzung mit Antonius Eremita hervor. Es zeigt sich, dass der Einfluss des Antoniuskultes auf die Romane Grimmelshausens ebenso berücksichtigt werden muss wie die Vita Antonii, will man das Eremitenleben Simplicii verstehen.

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IV. Der Garten 143

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143 IV. Der Garten 1. Exkurs: Sensus spiritualis Da für die vorliegende Untersuchung die Vorstellung von einem geistigen Sinn, welchen die Scholastik sowohl bei der Betrachtung der Schöpfung als auch bei der Deutung der Heiligen Schrift postulierte, in verschiedenen Kontexten von Belang ist, sei die mittelalterliche Lehre vom sensus spiritualis bzw. von den zwei Büchern Gottes exkursartig dargestellt und ihr Einfluss auf die „weltliche“ Literatur und das Werk Grimmelshausens skizziert. 1.1 Die zwei Bücher Gottes Betrachteten die antiken Verteidiger der homerischen Dichtung die Odyssee und die Ilias als von den Göttern inspirierte Texte, so sah das Mittelalter in der Bibel die Offenbarung des einen Gottes.1 Es kann somit nicht verwundern, dass das Denken des Mittelalters vornehmlich von der Frage beherrscht wurde, wie die Heilige Schrift zu deuten und zu verstehen sei.2 Das Mittelalter grenzte sich da- bei gegen die Antike scharf ab: Seit den Kirchenvätern betrachteten christliche Gelehrte die Bibel als das einzige Werk, in welchem sich für den Leser eine tie- fere Sinnebene eröffnen kann. Billigte man der profanen Literatur lediglich ei- nen Buchstabensinn zu, so sah man in der Heiligen Schrift hinter dem Wortsinn der Texte einen kostbaren geistigen Sinn verborgen – einen sensus spiritualis.3 Die Bibelinterpreten mussten folglich zunächst zwei Sinnebenen unterscheiden: 1 Zur antiken Allegorese, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht skizziert wer- den kann, vgl. u. a. Suntrup, Rudolf: Allegorese (Art.), S. 39; Bernhard, Wolfgang: Zwei verschiedene Methoden der Allegorese in der Antike. 2 Ohly schreibt...

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