Show Less

Absoluter Idealismus und zeitgenössische Philosophie - Absolute Idealism and Contemporary Philosophy

Bedeutung und Aktualität von Hegels Denken - Meaning and Up-to-dateness of Hegel’s Thought

Series:

Giacomo Rinaldi

Die Entwicklung der zeitgenössischen Philosophie ist durch Hegels Denken entscheidend beeinflusst worden. Die Gründe für seine andauernde Aktualität aber sind selten verstanden worden. Im Gegensatz zu vielen Hegel-Interpreten wird hier der «absolute Idealismus» als das Wesen der Philosophie Hegels erkannt. Die «dialektische Methode» und das «System» bilden eine untrennbare Einheit. Auf dieser Grundlage erfolgt in einer streng theoretisch-systematischen Perspektive eine konsistente Auslegung von Hegels «Philosophie des unendlichen Selbstbewusstseins». Einen besonderen Schwerpunkt legt die Arbeit auf die Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen amerikanischen Hegelianismus. Übereinstimmung besteht mit E.E. Harris und R.D. Winfield, während R.B. Brandom entschieden kritisiert wird.
Contemporary philosophy’s development has been decisively influenced by Hegel’s thought, yet only rarely have the grounds for its everlasting up-to-dateness been understood. Contrary to many Hegel-interpreters, «Absolute Idealism» is here regarded as the core of Hegel’s philosophy. The «dialectical method» and the «system» constitute an inseparable unity. On this basis a consistent interpretation of Hegel’s «philosophy of infinite self-consciousness» is outlined. Attention is focused especially on the discussion of contemporary American Hegelianism, largely agreeing with E. E. Harris and R. D. Winfield, while sharply criticizing R. B. Brandom.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

§ 1. Hegelianismus als Philosophie des unendlichen Selbst- bewusstseins Die Auslegung, Aneignung und Weiterentwicklung von Hegels Denken im 20. Jahrhundert wurde großenteils von der materialistischen Auffassung der Ge- schichte geprägt. Der äußersten Vielfalt und manchmal radikalen Divergenz der so entstandenen theoretischen und historiographischen Perspektiven1 zum Trotz sollten sie jedenfalls – bei Strafe der härtesten politischen Verurteilung – zwei hermeneutischen Grundkriterien entsprechen, die von den Gründern des histori- schen und dialektischen Materialismus selbst in zwei berühmten Schriften2 auf- gestellt wurden: (1) die Wahrheit und Relevanz von Hegels Denken könne nur verstanden und gebührend geschätzt werden, indem zwei Grundbestandteile in ihm streng unterschieden würden: (a) seinen „rationellen Kern“, der mit der dia- lektischen Methode zusammenfalle, welche der lebendige und wissenschaftlich gültige Aspekt eines solchen Denkens sei; und (b) die „mystische Hülle“ des „Systems“, in welcher ersterer unpassend eingehüllt werde, die dagegen ein ty- pischer Ausdruck desjenigen „entfremdeten Denkens“ sei, das die Substanz je- der Religion, Theologie und Metaphysik ausmache. (2) Im Unterschied zum of- fensichtlichen Dogmatismus und Irrationalismus ihrer herkömmlichen Versio- nen aber werde der eingeborene Mystizismus des Hegelschen Systems von sei- nem Urheber durch einen täuschenden Schein von Vernünftigkeit und Kon- kretheit geschickt verheimlicht, insofern er das Absolute, Gott nicht mehr als ein äußeres, das Selbstbewusstsein der Menschen transzendierendes „Objekt“, son- dern als das wesentliche „Resultat“ oder Produkt ihrer geistigen Tätigkeit auf- fasst. Von diesem Standpunkt aus wird Hegel der Fehler – oder sogar, wie sich Engels...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.