Show Less

Das Verbot der Doppelverwertung von Vermögenspositionen bei Unterhalt und Zugewinn

Series:

Sebastian Schaufert

Das Scheidungsfolgenrecht hat die Aufgabe, die vermögensrechtlichen Verhältnisse der Ehegatten nach dem Scheitern der Ehe zu regeln und eine gleichmäßige Verteilung zu verwirklichen. Ausgangspunkt der Doppelverwertungsproblematik ist die Tatsache, dass Vermögenswerte sowohl beim Unterhalt als auch beim Zugewinnausgleich – und damit doppelt – berücksichtigt werden können. Bei der Diskussion um ein Verbot der Doppelverwertung geht es daher um die Frage, wie dem Umstand einer zweifachen Teilhabe an Vermögenswerten beim Zugewinn und Unterhalt begegnet werden soll. Ziel der Arbeit war es, die Erscheinungsformen der Problematik darzustellen, die Lösungsansätze im jeweiligen Kontext zu erörtern und eine systematisierte Hilfestellung für die Behandlung solcher Sachverhalte in der Praxis zu liefern.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

H. Schulden als Passivvermögen

Extract

Nachdem bislang die Doppelbewertungsproblematik anhand verschiedener Posi- tionen des Aktivvermögens begutachtet wurde, erfolgt nun die Betrachtung einer möglichen Konkurrenz bei Positionen des Passivvermögens.572 Anders als beim Aktivvermögen können sich neben Überschneidungsmöglichkeiten zwischen Unterhalt und Zugewinn auch Überschneidungen mit der Gesamtschuldnerhaf- tung oder aber dem Wohnvorteil ergeben.573 Sicherlich die größte Praxisrelevanz haben hierbei finanzielle Verbindlich- keiten. Bei der Vermögensauseinandersetzung nach Trennung und Scheidung ist die Verteilung von Schulden oft ein erheblicher Streitpunkt.574 Für den Erwerb einer Immobilie als Eigenheim, aber auch für die Anschaffung von Konsumgü- tern (wie z.B. Möbeln, Pkw), für die Finanzierung eines Urlaubs oder auch für die Deckung der laufenden Kosten der Lebenshaltung werden von den Ehegat- ten häufig Kredite aufgenommen.575 Die Rückzahlung dieser Schulden während der Ehe prägt die ehelichen Lebensverhältnisse.576 Die für Zins und Tilgung aufgewendeten Beträge können die Ehegatten fortan nicht mehr für ihre Be- darfsdeckung verwenden.577 Allein durch die Trennung und Scheidung kann sich jedoch keiner der beiden Ehegatten einseitig von den in finanzieller Hin- sicht gemeinsam getroffenen Dispositionen lösen.578 Diese Schuldbelastungen können allerdings dadurch erhebliche Bedeutung erlangen, dass sie im Rahmen des gesetzlichen Güterstands zum einen als laufende Ausgaben im Rahmen der Unterhaltsberechnung, zum anderen als Negativbetrag am Stichtag des Zuge- winnausgleichs berücksichtigt werden können.579 Dadurch könnte sich eine Be- nachteiligung des unterhaltsberechtigten Ehegatten ergeben, der regelmäßig auch Gläubiger der Zugewinnausgleichsforderung ist.580...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.