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Der strafrechtliche Schutz des Rechts am eigenen Bild (§ 201a StGB)

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Florian Hengst

Wer einen Blick in einschlägige Boulevard-Medien wirft, wird erschlagen von Bildern bekannter und unbekannter Personen in ihrem Privatbereich. Unabhängig von einer moralischen oder rechtlichen Bewertung wird hieran eines deutlich: Es scheint ein besonderes Interesse daran zu bestehen, Einblicke in das Privatleben Dritter zu erhalten. Einleitend mit einer Erörterung der historischen Entwicklung des Bildnisschutzes in Deutschland stellt diese Abhandlung den Schutz des Rechts am eigenen Bild vor dem Hintergrund der Einführung des § 201a StGB dar. Ziel der Untersuchung ist zu ergründen, ob hinsichtlich der Ausweitung des Bildnisschutzes – neben dem bereits bestehenden zivil- und strafrechtlichen Schutz außerhalb des Kernstrafrechts – ein zusätzliches Pönalisierungserfordernis vorliegt und ob die Ausgestaltung des § 201a StGB zu überzeugen vermag.

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2. Kapitel: Zivil- und strafrechtlicher Bildnisschutz nach dem Kunsturhebergesetz und Stellung des Bildnisschutzes im Rahmen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts

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A. Die historische Entwicklung des Bildnisschutzes Die Problematik der unbefugten Bildaufnahme ist keineswegs neu. Erste Dis- kussionen über das Recht am eigenen Bild sollen in Deutschland schon – nach ungesicherten Quellen – in der von humanistischen Ideen geprägten Reformati- onszeit in Gang gesetzt worden sein.5 Jene Regungen erloschen jedoch mit dem Erblassen der Renaissanceidee wie- der. Der Gedanke, der Person durch Anerkennung eines Rechts am eigenen Bild die Kontrolle über Abbildungen ihres äußeren Erscheinungsbildes zu sichern, entwickelte sich erst wieder Mitte des 19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt für die- se erneute Diskussion waren die Erfindung und Entwicklung der Fotografie. I. Entwicklung der Fotografie Im Jahr 1816 gelang es dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce das erste Abbild der Natur auf einer lichtempfindlichen Platte in der „Camera Obscura“6 herzustellen.7 Allerdings betrug die Belichtungszeit noch über acht Stunden, und das verwendete Chlorsilberpapier erwies sich als wenig lichtbeständig. Von nun an ging die Entwicklung der Fotografie jedoch stetig und unaufhaltsam voran. Mit der Entwicklung der Trockenplatte, der Verbesserung der Lichtempfind- lichkeit, der Verkürzung der Belichtungszeit und der Entwicklung des Zelluloid- films8 war nun auch die Momentfotografie möglich, die die Abbildung des äuße- ren Erscheinungsbildes einer Person für jedermann möglich machte. 5 Vgl. Schuster, Österreichisches Zentralblatt für die juristische Praxis 1905, S. 883; Bewier, Recht am eigenen Bilde, S. 5; Bächli, Recht am eigenen Bild, S. 10; Osiander, Recht am ei- genen Bild, S. 13. 6 Die „Camera Obscura“ ist eine (bereits im 11. Jahrhundert...

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