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Herrschaft und Reform

Zur Diskussion um die Aktienrechtsreform und den Konzern in der Weimarer Zeit

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Stefan Ellenberg

Obgleich die Ursprünge des Konzernwesens in Deutschland bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts zurückreichen, wurde das Konzernrecht erst mit dem Aktiengesetz von 1965 umfassend gesetzlich geregelt. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit die Frage, warum der Gesetzgeber nicht schon während der Weimarer Republik entsprechende Normen zur Regelung der Rechtsbeziehungen innerhalb des Konzerns und zum Schutz von Minderheitsaktionären und Gesellschaftsgläubigern erlassen hat. Eingebettet ist die Untersuchung in die Darstellung der Aktienrechtsreformdiskussion von 1923 bis 1932 unter besonderer Berücksichtigung der sogenannten Stimmrechts- und Vorratsaktien.

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Zweiter Teil Die Aktienrechtsreformdiskussion

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A. Beginn der Reformdiskussion 1. Kapitel Inflation als Auslöser der Diskussion Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs stand das Deutsche Reich vor kaum lös- baren wirtschaftlichen Problemen. Die Industrieproduktion war bis Ende 1918 auf 57 % des Vorkriegsstandes gesunken, 2 Millionen Männer waren gefallen und die für Versorgung und Handel hinderliche Wirtschaftsblockade wurde von den Siegermächten auch nach Kriegsende aufrechterhalten141. Hinzu kamen die Abwicklung der Streitkräfte, die Versorgung von Kriegshinterbliebenen, der Schuldendienst142 und die umstrittenen Reparationsleistungen in Höhe von 132 Milliarden Mark, die schon für sich genommen die wirtschaftliche Leistungsfä- higkeit des Reiches überstiegen143. Da Steuererhöhungen zur Finanzierung die- ser Belastungen aber weder durchsetzbar noch durchführbar waren144, verzichte- te man hierauf ebenso wie auf eine Streichung der Staatsschulden. Als einziges probates Mittel zur Bewältigung der Finanzkrise blieb damit die Fortsetzung der schon während des Krieges begonnenen Geldmengenerhöhung145. Die Inflation führte in den Jahren 1919 und 1920 zunächst zu einer Verfünffachung der Parität zum Dollar. Ab 1921 stieg sie weiter kontinuierlich an, wobei die Verhältnisse zunächst noch relativ stabil blieben. Erst nach der 141 Lütge, Deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 539; Wehler, Deutsche Gesell- schaftsgeschichte, S. 242. 142 Wie schon in den letzten beiden Kriegsjahren konnte der Schuldendienst nur noch durch neue Schuldenaufnahmen abgesichert werden, was ein ständig anwachsendes Haus- haltsdefizit zur Folge hatte. In den Haushaltsjahren von 1919 bis 1924 machte allein der Schuldendienst nicht weniger als 14...

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