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Seesturm im Mittelalter

Ein literarisches Motiv im Spannungsfeld zwischen Topik, Erfahrungswissen und Naturkunde

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Carola Fern

Schilderungen von stürmischem Meer sind in der Literatur des Mittelalters weit verbreitet, bislang aber von der Forschung stark vernachlässigt worden. Diese Arbeit erschließt der Mediävistik ein neues Motiv und mit diesem einen neuen Blickwinkel auf die Forschung zur Naturwahrnehmung im Mittelalter. Das geschieht durch einen kommentierten Katalog literarischer Seesturmschilderungen und durch Analysen einer Stichprobenauswahl aus dem 9. bis zum 16. Jahrhundert. Alle Seesturmschilderungen werden im Hinblick auf die Topik des Motives, auf die Verarbeitung naturphilosophischer und technischer Entwicklungen der jeweiligen Entstehungszeit, auf den Realitätsgehalt der Schilderung und die Funktion des Motivs für die Gesamtkomposition und Deutung des jeweiligen Werkes hin untersucht. Der interdisziplinäre Ansatz kommt zu neuen Ergebnissen, die die bisherige Sicht auf Naturwahrnehmung im Mittelalter modifiziert.

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V. Feste Seesturmmotive und ihr Stabilitätsgrad im diachronen Verlauf (12.-16. Jh.)

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Für die Zeit bis zur Wende zum 11. Jahrhundert konnte in den Bearbeitungen zu biblischen Texten ein gewisser Grundbestand an Komponenten eines Seesturms ausgemacht werden. Doch obwohl die Bibel als Vorlage von hoher Autorität war, ist eine große Variationsbreite in der narrativen Ausgestaltung festgestellt worden. In diesem Kapitel soll nun untersucht werden, wie sich dies in weltlichen Texten verhält. Die Überlieferung von Seesturmmotiven in volkssprachlichen weltlichen Werken setzt im deutschsprachigen Raum erst Mitte des 12. Jahrhunderts ein. Aus diesen weltlichen Werken mit Seesturmmotiv, über die der kommentierte Katalog im Anhang einen Überblick gibt (vgl. Kap. XIII. 2.2–2.5 und XIII. 3.), sind hier Texte ausgewählt worden, denen ein feststehendes Handlungsgerüst insgesamt und auch für das Seesturmmotiv zugrunde liegt. Obwohl dies ähnlich ist wie bei den Bi- belbearbeitungen, bei denen der Handlungsablauf auch fest vorgegeben ist, kann man die Analyseergebnisse zu diesen beiden Textsorten nicht direkt miteinander vergleichen. Man kann nur feststellen, ob sich in den Anfängen der weltlichen Texte ein Erzählmuster für das Motiv „Seesturm“ oder ein Topos bildete oder nicht. Im Folgenden werden die beiden jeweils im Handlungsgerüst fest verankerten Seesturmmotive in den Bearbeitungen des „Alexanderliedes“ des Pfaffen Lam- brecht und in den „Herzog-Ernst-Dichtungen“ auf ihre Ausgestaltung und Stabili- tät hin untersucht. Werden diese Seesturmszenen immer mit denselben Grund- komponenten geschildert? Werden sie verändert oder erweitert und, wenn ja, war- um? Welche Funktion erfüllen diese Motive für die Gesamtdichtung? Was lässt sich an...

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