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Höfische Festkultur im Zeitalter Ludwigs XIV.

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Ingrid Sammler

Das höfische Fest des Absolutismus zeigt auf anschauliche Weise Strukturen eines politischen Systems. Für die in diesem Buch behandelte Epoche ist das Fest in all seinen Ausprägungen eine fast alltägliche Lebensform zur Sicherung eines Systems, in dessen Mittelpunkt die Selbstdarstellung des Herrschers, Ludwig XIV. (1638-1715) in seiner «grandeur» steht, an welche die Bindung des Adels an den Hof gekoppelt ist. Die «propagandistische» Bedeutung geht aus offiziellen Berichten über Bälle, Krönungen, Hochzeiten, feierliche Einzüge und Beisetzungen hervor. Das Zeitalter Ludwigs XIV., le siècle de Louis XIV, wie es Voltaire trotz aller Kritik anerkennend bezeichnet, ist auch eine Geschichte europäischer Kultur, beginnend mit der Zeit vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Tod des Königs 1715, dessen Regierungszeit (1643-1715) dieses Zeitalter prägte und ihm seinen Namen gab. In Ludwig XIV. ist der monarchische Typus bis noch ins 18. Jahrhundert – trotz verheerender Kriege und finalen Scheiterns – beispielhaft repräsentiert.

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4. Die französische Barockoper 61

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4. Die französische Barockoper 4.1 Gründungsgeschichte der Oper Durch die Italiener wurde die Oper als von ihnen erfundene Kunstform in ganz Europa verbreitet. Jedoch waren die Pariser nicht so sehr von Fran- cesco Paolo Sacratis Oper La finta pazza (1641) als musikalischer Aus- drucksform begeistert, sondern vor allem von dem darin enthaltenen Bal- lett mit Affen, Bären, Papageien. Der Durchbruch bei Hofe gelang erst mit der Aufführung L'Orfeo (1647) von Luigi Rossi, dank vor allem auch der prunkvollen Dekorationen von Giacomo Torelli. Mazarin hatte im Umkreis von Papst Urban VIII. viele Künstler ken- nengelernt und holte diese nach Paris. Der Herzog von Modena, Frances- co d'Este, war in vielen Kunstangelegenheiten Berater Ludwigs XIV. Der König hegte eine große Bewunderung für Italien, insbesondere für die Renaissance mit ihrem Cäsarenkult, die zum Vorbild der Repräsentati- onskultur des Absolutismus wurde. Zeichen dafür war auch die Gründung der „Acad6mie de France ä Rome" (1666), an die junge Stipendiaten der „Acad6mie d'architecture et de peinture" geschickt wurden. Aufgrund dieser Kulturpolitik wurde die italienische Oper zwar akzeptiert, aber das Musiktheater in Frankreich verfolgte eine andere Linie. Die Bühnendeko- rationen eines Vigarani hatten mehr Erfolg beim französischen Publikum als die Oper italienischen Stils. Es entstand also die Idee, eine französi- sche Nationaloper zu schaffen.72 1669 erteilte Ludwig XIV. dem Schriftsteller Pierre Perrin das Privi- leg, in ganz Frankreich „Acad6mies d'opera" nach dem Vorbild italieni- scher Musikakademien mit dem Ziel zu gründen,...

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