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Höfische Festkultur im Zeitalter Ludwigs XIV.

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Ingrid Sammler

Das höfische Fest des Absolutismus zeigt auf anschauliche Weise Strukturen eines politischen Systems. Für die in diesem Buch behandelte Epoche ist das Fest in all seinen Ausprägungen eine fast alltägliche Lebensform zur Sicherung eines Systems, in dessen Mittelpunkt die Selbstdarstellung des Herrschers, Ludwig XIV. (1638-1715) in seiner «grandeur» steht, an welche die Bindung des Adels an den Hof gekoppelt ist. Die «propagandistische» Bedeutung geht aus offiziellen Berichten über Bälle, Krönungen, Hochzeiten, feierliche Einzüge und Beisetzungen hervor. Das Zeitalter Ludwigs XIV., le siècle de Louis XIV, wie es Voltaire trotz aller Kritik anerkennend bezeichnet, ist auch eine Geschichte europäischer Kultur, beginnend mit der Zeit vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Tod des Königs 1715, dessen Regierungszeit (1643-1715) dieses Zeitalter prägte und ihm seinen Namen gab. In Ludwig XIV. ist der monarchische Typus bis noch ins 18. Jahrhundert – trotz verheerender Kriege und finalen Scheiterns – beispielhaft repräsentiert.

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8. Schluß 113

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8. Schluß Ludwig XIV. starb am 1. September 1715 in dem Prunkbett der „grande chambre"; würdevoll nahm er Abschied vom Leben. Er hatte sich zuvor - in christlicher Haltung — von seinem Hof verabschiedet und sogar noch selbst für die pompöse Ausgestaltung seines Begräbnisses Sorge getrof- fen. Neun Tage später fand die Überführung in die Basilika Saint-Denis statt. Am Wege des Trauerzuges standen Vergnügungszelte, in denen das Volk trank, sang und lachte, ähnlich wie beim Todes seines Vaters, Lud- wig XIII. Dieser König hatte in den vierundfünfzig Jahren seiner Alleinregie- rung seinem Volk dreißig Kriegsjahre beschert. Er hatte Frankreich zu großer Macht verholfen und territorial vergrößert, aber im Innern war der Staat ruiniert. Aus seinem übergroßen Machtwillen und seiner ans Gran- diose grenzenden Liebe zur Kunst heraus hinterließ er sein Meisterwerk, Versailles.140 Sein Jahrhundert, le siede de Louis XIV, wie es Voltaire trotz aller Kritik anerkennend bezeichnet, „[...] parmi les grands hommes que cet äge a produits, nul ne fait mieux voir que ce siede peut etre appele celui de Louis XIV..." 141 begann praktisch mit dem Sturz Fouquets, dessen Prozeß ein Exempel statuieren sollte für die neue Politik, deren Opfer er geworden war; eine ganze Generation königlicher Beamter wollte man an den Pranger stellen. Fouquet hatte sich einen Posten als Nachfolger Ma- zarins erhofft, sein Schloß Vaux-le-Vicomte sollte aus Prestigegründen als Festdekor für die königliche Entree dienen, ein gefährlicher Irrtum, wie sich...

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